Inkontinenz bei Männern

Inkontinenz bei Männern tritt nur im hohen Alter auf? Leider falsch, denn Männer jeden Alters können betroffen sein. Vor allem tritt Inkontinenz in der zweiten Lebenshälfte oder nach einer Prostata OP auf.

Belastungsinkontinenz bei Männern

Je nach Art der Inkontinenz gibt es verschiedene Anzeichen für das Vorliegen einer Inkontinenz. Bei der häufig auftretenden Belastungsinkontinenz kommt es zu einem unwillkürlichen Urinverlust, sobald sich der Druck im Bauchraum erhöht. Dies kann bei alltäglichen Ereignissen wie Husten, Niesen oder Lachen ausgelöst werden. Das Tragen und Anheben schwerer Gegenstände ist ebenfalls eine häufige Ursache für den ungewollten Harnverlust. Es kann eine leichte Inkontinenz auftreten, in ausgeprägten Fällen geht ein Schwall an Urin ab. Typisch für die Belastungsinkontinenz ist, dass kein Harndrang gespürt wird bevor es zum Urinabgang kommt.

Dranginkontinenz bei Männern

Bei der Dranginkontinenz kommt es hingegen zu einem plötzlichen starken Harndrang, obwohl die Blase gar nicht voll ist. Auch ein kurzer Weg zur Toilette ist dann oft schon zu weit und der Urin geht in einem Schwall ab. Dieser überraschende Harndrang kann häufig, manchmal sogar mehrmals pro Stunde, auftreten.

Mischinkontinenz bei Männern

Bei der Mischinkontinenz, welche sehr häufig vorkommt, treten Symptome der Belastungsinkontinenz gemeinsam mit Symptomen der Dranginkontinenz auf.

Überlaufinkontinenz bei Männern

Die Blase ist voll und es läuft ein ständige eine kleine Menge Urin ab. Es entsteht das Gefühl “undicht” zu sein. Ein ständiges Tröpfeln wie bei einem lecken Rohr oder wenn eine Regentonne überläuft – Überlaufinkontinenz. Die Ursache kann eine Prostatavergrößerung oder eine Nervenschädigung sein.

Was man gegen Inkontinenz bei Männern tun kann

Bei den vielen verschiedenen Formen der Inkontinenz kann es keine pauschalen Therapieempfehlungen geben. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Therapie für Sie die schonendste und sinnvollste ist. Zusätzlich zu jeder Therapieform eignen sich Inkontinenzeinlagen für Männer.

Inkontinenzhilfsmittel

Es gibt eine große Auswahl an saugenden Inkontinenzhilfsmitteln, die man diskret online kaufen kann. Vorlagen gibt es in verschiedenen Saugstärken, auch Windeln und Windelhosen für stärkere Inkontinenz und saugende Inkontinenzunterwäsche. Unter den bekannten Herstellern zählen Hartmann, Tena und Seni. Empfehlenswert bei leichter bis mittlerer Inkontinenz sind Einlagen für Männer wie Tena Men Level 1Tena Men Level 2 und Tena Men Level 3. Bei mittlerer bis starker Inkontinenz sind Windelhöschen wie Tena Men Level 4 zu empfehlen.

Beckenbodentraining

Nicht nur Frauen, auch Männer profitieren davon, dass sie durch gezielte Beckenbodenübungen kräftigen. Das hilft vielen Patienten mit Belastungsinkontinenz. Lassen Sie sich von einem erfahrenen Trainer anleiten, damit die Übungen richtig ausgeführt werden. Das muss nicht unbedingt bei einem Physiotherapeuten geschehen, auch Fitnessstudios, Sportvereine und Volkshochschulen bieten entsprechende Kurse an. Vielleicht kann Ihnen auch der Arzt eine Therapie verordnen.

Medikamente

Es gibt Medikamente, die die Symptome der Inkontinenz mildern können. Die Auswahl des geeigneten Medikaments muss ihr Arzt vornehmen. Um die Wirkung einschätzen zu können, dauert es dann allerdings etliche Wochen. Nebenwirkungen sind wie bei vielen Medikamenten auch hier nicht auszuschließen. Sollten oral einzunehmende Medikamente gegen eine überaktive Blase nicht wirken, kann auch ein Wirkstoff direkt in den Blasenmuskel gespritzt werden.

Operation

Nur in schweren Fällen sollte zur Therapie einer Belastungsinkontinenz eine Operation gewählt werden. Dabei hat sich ein Verfahren etabliert, das eine Manschette um die Harnröhre legt. Dieser künstliche Schließmuskel ist mit Flüssigkeit gefüllt und kann die Harnröhre durch Druck von außen schließen. Eine Pumpe ihm Hodensack zieht bei Bedarf Flüssigkeit aus der Manschette ab. Der Urin kann dann durch die Harnröhre abfließen.

Wie kommt es zur Inkontinenz bei Männern

Die Prostata (Vorsteherdrüse) liegt unterhalb der Blase und umschließt die Harnröhre. Die häufigste Ursache für die Inkontinenz beim Mann ist eine Prostatavergrößerung. Sie ist bei Männern über 50 keine Seltenheit. Die Gründe sind nicht abschließend geklärt. Mediziner meinen, dass eine nachlassende Produktion des männlichen Sexualhormons Androgen das Wachsen der Prostata fördert.

Durch die Vergrößerung der Prostata kann es zu einer Verengung der Harnröhre kommen, was sich auf die Blasenfunktion auswirkt. Diese Beeinträchtigung kann dazu führen, dass sich die Blase nicht mehr vollständig entleert. Der in der Blase verbleibende Restharn begünstigt Harnwegsinfektionen und Blasensteine. Der Blasenmuskel kann dauerhaft überdehnt werden und so ein normales Wasserlassen verhindern.

Inkontinenz bei Männern in jüngeren Jahren

Jugend schützt vor Blasenschwäche nicht. Eine Entzündung der Vorsteherdrüse kann eine leichte Inkontinenz mit sich bringen. Auch ein schwacher Beckenboden kann die Kontinenz beeinträchtigen und zu unkontrolliertem leichten Harnverlust führen. In der Folge von Operationen an der Prostata kann es in jedem Alter zu Problemen mit der Blase kommen.

Inkontinenz bei Männern nach Prostata OP

Auch nach einer kompletten Prostataentfernung (Prostatektomie) kann es zu einer Harninkontinenz kommen. Ein Grund könnte sein, dass ein Muskel oder ein stabilisierendes Band bei der Operation beschädigt wurde. Das kann zu einer sogenannten Belastungsinkontinenz führen. Es kommt also sehr auf die Erfahrung des Chirurgen an. Oft bessert sich die Inkontinenz innerhalb eines Jahres nach der Operation. Es kann aber auch sein, dass sie dauerhaft bestehen bleibt. Bei einer Belastungsinkontinenz kommt es zu einer Druckerhöhung im Bauchraum. Husten, Niesen oder Lachen führen dann zu einem ungewollten Urinverlust.

In Inkontinenz nach Prostata OP können Sie sich weiter informieren.

Nicht nur eine Verletzungen von Muskeln oder Nerven können Schuld an einer männlichen Inkontinenz sein. Durch die Entfernung der Prostata kann es zu einer Absenkung des eigentlich intakten Schließmuskels kommen. Dieser kann dann wegen der veränderten Lage seine Aufgabe nicht mehr zuverlässig erfüllen.

Andere Ursachen für Inkontinenz bei Männern

Es gibt viele möglichen Auslöser für eine Harninkontinenz. Krankheiten wie Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder ein Schlaganfall können die Ursache sein. Sie schwächen den Detrusor, den Muskel, der die Blase beim Wasserlassen zusammenzieht. Medikamente, aber auch psychische Ursachen und Nervenfunktionsstörungen werden ebenfalls für Inkontinenz verantwortlich gemacht.

Risikofaktoren für Inkontinenz bei Männern

Eine Reihe von Faktoren haben Einfluss auf die Entstehung einer Harninkontinenz. Manche können Sie selbst steuern, andere sind naturgegeben. Oft ist es die Kombination mehrerer Faktoren, die zur Harninkontinenz bei Männern führt. Der jeweilige genaue Anteil lässt sich hier nur schwer bestimmen.

Das Alter ist der größte Risikofaktor für die Entstehung der Erkrankungen. Das liegt an der altersbedingten Veränderungen des Harnsystems. In Alters- und Pflegeheimen sollen 50 bis 75 % der Männer betroffen sein. Bedingt durch anatomische Unterschiede und die Belastung durch Geburten sind Frauen weitaus häufiger von Inkontinenz betroffen als Männer.

Übergewicht, Bewegungsmangel, falsche Ernährung und Rauchen können einen negativen Einfluss auf die Entwicklung einer Harninkontinenz haben. Starkes Übergewicht führt zu einer dauernden Belastung des Beckenbodens der diesem Druck nicht dauerhaft begegnen kann. Bei Rauchern ist es nicht nur das Rauchen an sich das ungesund ist: Der Raucherhusten wird zu einer zusätzlichen Belastung für den Beckenboden. Aber auch psychische Belastungen können zu Risikofaktoren für Harninkontinenz werden.

Ein gut trainierter und entspannter Beckenboden verringert das Risiko einer Harninkontinenz erheblich. Besonders nach einem operativen Eingriff ist eine Stärkung des Beckenbodens wichtig. Hier gilt wie bei vielen Körperübungen: Nur kontinuierliches Training sichert einen langfristigen und anhaltenden Erfolg.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Harninkontinenz und bereits vorhandenen Erkrankungen wie Depressionen, Schlaganfall und Diabetes mellitus. Einige Krankheiten sind indirekte Risikofaktoren, weil die zu ihrer Behandlung eingesetzten Medikamenten störend wirken.

Chirurgische Eingriffe – das ist bei Männern hauptsächlich die Entfernung der Prostata – oder Bestrahlungen im Beckenbereich erhöhen das Risiko für eine Harninkontinenz.

Fazit

Jeder Mann kann von Inkontinenz betroffen sein. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, allen voran Alter und vorangegangene Prostata Ops. Jedoch sollte Inkontinenz bei Männern keine Panik auslösen. Denn mittlerweile gibt es eine Reihe an Therapiemöglichkeiten. Je nach Ursache und aktueller Lebenssituation wird der behandelnde Arzt die richtige Therapie verordnen. Mit der richtigen Therapie und geeigneten Inkontinenzhilfsmitteln konnten schon vielen Männern geholfen werden.

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