Prostatavergrößerung – Schwierigkeiten beim Wasserlassen

Prostatavergrößerung – Das Problem kennen vor allem ältere Männer: Sie haben plötzlich Beschwerden beim Wasserlasen. Was dahinter steckt, verraten wir Ihnen hier.

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Treten bei Männern im höheren Alter plötzlich Beschwerden beim Wasserlassen auf, ist dieses Phänomen häufig auf eine gutartige Prostatavergrößerung zurückzuführen. Medizinisch wird das als benigne Prostatahyperplasie bezeichnet.

Was ist eine gutartige Prostatavergrößerung?

Die benigne Prostatahyperplasie abgekürzt BPH ist eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse des Mannes. Die Prostata ist etwas so groß wie eine Walnuss und umschließt ringförmig die Harnröhre. Sie ist mitunter für die Bildung des männlichen Samens verantwortlich. Mit Voranschreiten des Alterungsprozesses nimmt die Prostata häufig an Umfang zu, dies scheint erstmal ein vollkommen normaler körperlicher Prozess und benötigt in den meisten Fällen keine weitere Therapie. In hohem Alter (über 70) wird sogar bei fast allen Männern irgendwann eine leichte Vergrößerung der Prostata diagnostiziert. Wenn allerdings genau die Bestandteile der Prostata anschwellen, die die Harnröhre umgeben, oder die Schwellung wird zu groß, entstehen Probleme beim Wasserlassen. Hier beginnt eine behandlungsbedürftige Prostatavergrößerung.

Ursachen einer Prostatavergrößerung

Bei der gutartigen Prostatavergrößerung dürften Hormone eine Schlüsselrolle spielen. Die Gründe, wodurch eine gutartige Prostatavergrößerung entstehen kann, sind allerdings noch nicht restlos geklärt. So deuten Hinweise darauf, dass Dihydrotestosteron, das aus dem männlichen Sexualhormon Testosteron gebildet wird, daran beteiligt ist, dass eine benigne Prostatahyperplasie entsteht. Darüber hinaus scheinen auch die Gene eine Rolle zu spielen. Denn das eigene Erkrankungsrisiko steigt an, wenn in der Familie bereits Fälle einer gutartigen Prostatavergrößerung festgestellt wurden.

Welche Rolle das metabolische Syndrom bei der Entstehung einer Prostatavergrößerung spielt, ist dagegen umstritten. Hierbei handelt es sich übrigens um eine Kombination aus krankhaftem Übergewicht und Bluthochdruck. Zugleich leiden die betroffenen Patienten oft unter Diabetes mellitus sowie Störungen im Fettstoffwechsel – sie haben also erhöhte LDL- oder Cholesterinwerte. Aktuelle Forschungen untersuchen den Zusammenhang zwischen gutartige Vergrößerungen der Prostata in einem Zusammenhang mit den Ernährungsgewohnheiten.

Bei nahezu allen Patienten, die unter einer vergrößerten Prostata litten, waren entzündliche Veränderungen in der Gewebestruktur festzustellen. Allerdings scheint kein Zusammenhang zu einer bakteriellen Infektion zu bestehen. Aus diesem Grund vermuten viele Forscher, dass unter Umständen eine Fehlfunktion des Immunsystems dazu beitragen kann, dass eine benigne Prostatahyperplasie entsteht.

Prostatavergrößerung

 

Beschwerden einer Prostatahyperplasie

In den meisten Fällen macht sich eine vergrößerte Prostata dadurch bemerkbar, dass es zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen kommt und ein starker Harndrang bemerkbar ist. Auch ein verzögerter Harnstrahl beim Wasserlassen, ein deutlich verlängertes Harnlassen und ein abgeschwächter Harnstrahl können auf eine vergrößerte Vorsteherdrüse deuten.

Entleerungsstörungen der Harnblase

Eine Harnblasenentleerungsstörung äußert sich dadurch, dass der Harnstrahl schwächer wird und das Wasserlassen länger dauert als üblicherweise. Gelegentlich kann es auch vorkommen, dass Urin aus der Harnröhre nach dem Wasserlassen nachtropft. Damit die Blase vollständig entleert werden kann, sind oftmals mehrere Versuche notwendig. Die Betroffenen haben nach dem Wasserlassen oft auch noch ein sogenanntes Restharngefühl, also den Eindruck, dass sich auch nach dem Wasserlassen noch eine Restmenge von Urin in der Blase befindet.

Harnspeicherstörung

Eine vergrößerte Prostata kann sich auch dadurch äußern, dass es zu Harnspeicherstörungen kommt. Die Betroffenen müssen in diesem Fall häufig eine Toilette aufsuchen – teilweise sogar in äußerst kurzen Abständen und häufig auch in den Nachtstunden. Der plötzliche und starke Harndrang belastet die Betroffenen oftmals erheblich.

Harnwegsinfektionen und Erektionsprobleme

Und diese Probleme sind auch nicht ungefährlich. Denn wenn ständig Restharn in der Blase zurückbleibt, trägt dies zur Bildung von Keimen bei, wodurch das Risiko für Harnwegsinfektionen massiv ansteigen kann. Darüber hinaus leidet etwa ein Drittel aller betroffenen Männer unter Erektionsproblemen. Zusätzlich nimmt bei den Betroffenen etwa das Volumen des Ejakulats deutlich ab.

Akuter Harnverhalt

Selbst ein akuter Harnverhalt ist möglich, bei dem der Betroffene selbst eine volle Blase nicht mehr entleeren kann, auch wenn er einen massiven Harndrang verspürt. Weil sich in der Folge die Harnblase stark überdehnt, kann es zu starken Schmerzen kommen. Ist das der Fall, muss der Harn durch einen Arzt mittels eines Katheters abgeleitet werden.

Chronischer Harnverhalt

Allerdings erfolgen die Restharnbildung sowie die Überdehnung der Blase bei vielen Betroffenen unbemerkt und schleichend. In diesem Fall spricht man von einem chronischen Harnverhalt. Im schlimmsten Fall setzt sich der Harnstau die Harnleiter hinauf bis zu den Nieren fort, die dadurch dauerhaft geschädigt werden können.

Diagnose vergrößerte Prostata

Zu Beginn der Untersuchung erkundigt sich der Arzt zunächst nach der Krankengeschichte und den akuten Beschwerden. In diesem Zusammenhang fragt der Mediziner auch, welche Medikamente der Patient aktuell einnimmt. Besonders werden auch Harnwegserkrankungen und Nervenerkrankungen aus der Vergangenheit abgefragt.

Abtasten

Der nächste Schritt der Untersuchung ist das rektale Abtasten der Prostata durch den Arzt. Selbst wenn die Größe der Prostata bei dieser Art der Untersuchung häufig unterschätzt wird, lassen sich deren Form und die Konsistenz dennoch gut ermitteln. Werden bei dieser Untersuchung beispielsweise Verhärtungen oder Knoten festgestellt, kann dies ein Hinweis auf Prostatakrebs sein.

Urin- und Blutuntersuchung

Zu den Standarduntersuchungen gehört auch eine Auswertung des Urins. Damit soll ausgeschlossen werden, dass sich der Patient eine Infektion der Harnwege zugezogen hat.
Ebenso erfolgt in der Regel eine Untersuchung des PSA-Wertes im Blut. Ein hoher PSA-Wert kann auf eine Erkrankung der Prostata hinweisen, aber auch harmloser Natur sein. Beispielsweise kann der Wert auch nach dem Radfahren oder einer digital rektalen Untersuchung erhöht sein. Das Blut, wodurch der Wert ermittelt wird, sollte also keinesfalls unmittelbar nach der Abtastung der Prostata entnommen werden.

Fragen zur Lebenssituation

Durch standardisierte Fragebögen fällt es dem Arzt leichter, die Symptome einschätzen zu können. Zusätzlich fragt der Arzt, inwieweit die Lebensqualität des Patienten eingeschränkt ist. Hat ein Patient beispielsweise eine gutartige Prostatavergrößerung sowie einen IPSS-Wert von weniger als acht Punkten, wird dieser Patient nicht aktiv behandelt. Vielmehr werden hier die Befunde regelmäßig kontrolliert, um bei Verschlechterung eingreifen zu können. Patienten, die hingegen eine mäßige oder gar eine schwere Symptomatik haben, müssen sich weiteren diagnostischen Untersuchungen unterziehen.

Transrektaler Ultraschall

Als wichtigste Untersuchung, um die Prostatagröße zu bestimmen, gilt der transrektale Ultraschall, der üblicherweise von einem Urologen durchgeführt wird. Bei dieser Untersuchung ermittelt der Arzt, wie groß die Vorsteherdrüse ist, die er mit einem Ultraschallgerät via Enddarm untersucht. Zusätzlich erfolgt eine Ultraschall-Untersuchung der Nieren sowie der oberen Harnwege. Dabei wird untersucht, ob nach dem Wasserlassen noch Restharn in der Blase zurückbleibt.

Harnstrahlmessung

Durch eine Harnstrahlmessung lassen sich Hinweise darauf finden, ob die Blasenmuskulatur richtig funktioniert, oder ob es durch eine vergrößerte Prostata zu einer Verengung der unteren Harnwege gekommen ist. Die Ursachen für eventuelle Probleme lassen sich mit dieser Untersuchung allerdings nicht feststellen.

Urodynamische Untersuchung

Bei der urodynamischen Untersuchung werden die Druckverhältnisse in der Blase, im Bauch und in der Harnröhre gemessen. Diese Untersuchung ist vor allem vor einer Operation und bei Patienten, die unter Funktionsstörungen der Blase oder Nervenerkrankungen leiden, notwendig. Ist bei den Patienten Blut im Urin festzustellen, ist darüber hinaus eine Blasenspiegelung erforderlich, um einen Tumor in den Harnwegen auszuschließen.

Therapie einer vergrößerten Prostata

Leidet der Patient nicht unter den Beschwerden und bleibt nach dem Wasserlassen nahezu kein Harn in der Blase zurück, wird die vergrößerte Prostata in aller Regel nicht behandelt. Durch regelmäßige Untersuchungen wird aber sichergestellt, dass eine Therapie rechtzeitig eingeleitet werden kann, noch ehe sich Beschwerden beim Patienten einstellen.

Ab dem 45. Lebensjahr sollte jeder Mann einmal jährlich eine Prostatauntersuchung durchführen

Die medikamentöse Therapie

Sofern der untere Harntrakt von der vergrößerten Prostata betroffen ist, steht eine ganze Reihe von Medikamenten zur Verfügung, unter anderem auch pflanzliche Arzneimittel. Als weitere wirksame Mittel gelten Alpha1-Rezeptorblocker sowie 5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren. Mittlerweile haben sich aber auch viele neue Wirkstoffe etabliert, die nicht nur die Symptome, sondern auch weitere Erkrankungen, beispielsweise die erektile Dysfunktion, behandeln.

Operative Therapie

Es gibt aber auch einige Indizien, die gegen eine medikamentöse Therapie sprechen. Dazu gehören Indikatoren wie Blasensteine, eine Nierenschwäche oder auch wiederholte Infektionen der Harnwege. Ist das gegeben, empfiehlt der Arzt eher eine operative Therapie. Weil in aller Regel ältere Patienten von einer vergrößerten Prostata betroffen sind, die oftmals unter weiteren Krankheiten leiden, werden möglichst schonende operative Verfahren eingesetzt. Zum Einsatz kommen vor allem diverse Lasersysteme, durch die ein geringerer Blutverlust gewährleistet ist. Weil mit einer Operation stets gewisse Risiken verbunden sind, sollten die Patienten im Vorfeld in jedem Fall ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Arzt führen, um die bestmögliche Lösung für den individuellen Fall zu finden.

Transurethrale Resektion

In den vergangenen Jahren haben sich einige Verfahren wie etwa die transurethrale Resektion der Prostata in der Schulmedizin etabliert. Jedes der gängigen Verfahren hat seine spezifischen Vorteile aber auch Nachteile. Beim Gespräch mit dem Arzt geht es deshalb in erster Linie darum, die bestmögliche Lösung für den individuellen Fall zu finden.

Beispiel für einen typischen Erfahrungsbericht über Prostatavergrößerung

Herr Beugen wurde gerade 65 Jahre als er zum ersten Mal bemerkte, dass er etwas länger für das Wasserlassen brauchte als früher. Der Strahl war nicht mehr so kraftvoll und es benötigte eine ganze Weile bis er das Gefühl hatte seine Harnblase wirklich entleert zu haben. Er fing an bei jedem urinieren zu drücken und zu pressen, damit er am Ende das Gefühl hatte, dass alles herausgekommen war. Eine Weile fand er sich damit ab, jedoch wurde es mit der Zeit immer schwieriger die Blase vollständig zu entleeren. Nun bekam es Herr Beugen etwas mit der Angst zu tun. Er hatte schon so oft von Prostatakrebs gehört und dass die ersten Anzeichen ein erschwertes Wasserlassen sein könnten. Er verdrängte aber in der ersten Zeit die Angst und versuchte dem Ganzen nicht zu viel Bedeutung zu geben. Immer wieder kamen aber diese Gedanken, dass doch etwas nicht stimmte. Er zog sich mehr und mehr zurück, wurde stiller und lustloser. Die unterbewusste Angst lähmte ihn schließlich so sehr, dass seine Frau aus Sorge um ihn immer wieder nachhakte, was mit ihm los sei, bis er ihr erzählte, was ihn so sehr hemmte und bedrückte. Als er sich zu diesem Schritt der Offenheit durchringen konnte, war sofort klar, dass er nun dringend zu einem Urologen gehen muss.
Zu seiner Erleichterung schloss dieser nach Abtasten, Blutbild und Ultraschall aber eine bösartige Veränderung aus und diagnostizierte eine gutartige Prostatavergrößerung. Davon hatte Herr Beugen noch nie etwas gehört. Der Arzt erklärte ihm genau, wie es zu seiner verengten Harnröhre kam und dass dies erst einmal nicht schlimm sei. Mit einer gut eingestellten Medikation könne man auch erst einmal auf eine Operation verzichten. Herr Beugen ärgerte sich über sich selbst. Wäre er sofort zum Arzt gegangen, hätte er sich eine Menge Kummer erspart. Nun lässt er keinen Arztbesuch mehr ausfallen und lässt seine Prostata regelmäßig untersuchen um einer Verschlechterung vorzubeugen.