Blut im Urin? So prüfen pflegende Angehörige

Blut im Urin

Nicht jede Rotfärbung des Harns ist tatsächlich auch Blut im Urin. Zunächst muss abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um Blut handelt. Normaler Urin sieht hell- bis dunkelgelb aus. Hat man zu wenig getrunken, was bei älteren Menschen und Pflegebedürftigen häufig vorkommt, wirkt der konzentrierte Harn fast rötlich. Auch Rote Beete, Brombeeren oder Heidelbeeren können – ebenso wie bestimmte Medikamente – die Farbe kurzfristig verändern.

Wenn die Rotfärbung über mehrere Toilettengänge anhält, handelt es sich meist tatsächlich um Blut im Urin oder auch Hämaturie genannt. Wer kurzfristig keinen Arzttermin bekommt, kann den Nachweis mit entsprechenden Teststreifen aus dem Internet oder aus der Apotheke selbst durchführen.

So prüfen pflegende Angehörige

Für pflegende Angehörige und Pflegefachkräfte gibt es mehrere Methoden, den Urin des Patienten zu prüfen:

  • Harn im Inkontinenzmaterial prüfen
  • Urin in der Bettpfanne prüfen
  • kurz nachdem Toilettengang den Urin in der Toilette prüfen
  • Urin in Urinierflasche prüfen
  • Harn im Urinbeutel eines Urinalkondoms prüfen

Blut im Urin als Anzeichen einer Entzündung

Die häufigsten Auslöser für Blut im Urin sind Infektionen der Harnwege. Dabei leiden Frauen sehr häufig unter Blasenentzündung. Blasenentzündung bei Männern tritt eher selten auf. Bei Männern ist die Harnröhre kürzer, so gelangen Krankheitserreger leichter in die Blase. Typische Symptome sind neben dem dunkelgefärbten Urin auch ständiger Harndrang, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen.
Verschleppen sollte man eine Blasenentzündung nicht, da die Keime sonst weiter in die Nieren wandern. Bei einer Nierenbeckenentzündung ist die bakterielle Infektion bereits so weit fortgeschritten, dass nur noch Antibiotika helfen. Im Unterschied zur Blasenentzündung treten oft schon Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf, bevor man Blut im Urin findet. Meist kommt es auch zu starken Schmerzen in den Flanken.
Bei Männern kann eine vergrößerte Prostata Harnweginfekte begünstigen, die sich ebenfalls durch Blut im Urin bemerkbar machen. Bei ihnen zeigt sich eine Hämaturie auch als Symptom für Entzündungen von Harnröhre oder Samenblase.

Blut im Urin wird auch als Hämaturie bezeichnet.

Hämaturie als Folge von Gerinnungsstörungen

Menschen mit Blutgerinnungsstörungen haben häufig Einblutungen in Haut, Muskelgewebe und Gelenken. Oft ist damit auch der Abgang von Blut im Urin verbunden. Dasselbe gilt für Patienten, die Gerinnungshemmer nehmen oder unter einem Mangel an Vitamin K leiden.

Blut im Urin aufgrund Verletzungen der Nieren und Harnwege

Unfälle können Auslöser für Wunden oder Risse im Bereich der Nieren und Harnwege sein. Auch durch Fremdkörper in der Harnröhre kann es zu Blut beim Wasserlassen kommen. So reizen Dauerkatheder die Harnwege und begünstigen Entzündungen. Die unangenehmen Folgen reichen vom Harnstau über Störungen und Schmerzen bei der Blasenentleerung bis hin zur Nachblutung, wenn der Katheder entfernt wird.

Nierensteine und Blasensteine als Auslöser von Blut im Urin

Ebenso schmerzhaft sind Steine, die sich in Nieren, Blase oder Harnleiter ablagern. Dort führen die spitzen Kristalle zu Verletzungen und Blut im Urin. Je nach Lage der Harnsteine kommt es zu Rücken- und Unterleibsbeschwerden oder Schmerzen im Genitalbereich. Bei Blasensteinen müssen die Betroffenen häufig Wasser lassen, doch geht nur wenig Urin ab. Steine sind ein Volksleiden: Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Urologie erkranken jährlich mehr als eine Million Menschen daran. Weit seltener sind Nierenzysten die Ursache für eine Hämaturie. Sie führen meist erst dann zu Beschwerden, wenn sie aufbrechen und bluten.

Blut im Urin als Warnzeichen bei Krebs

Die Deutsche Krebshilfe rät dazu, jede Hämaturie ärztlich abzuklären. Denn Blut beim Wasserlassen kann ein erstes Anzeichen sein für Blasenkrebs oder bösartige Tumoren in der Prostata und den ableitenden Harnwegen. Bei Männern zählt Prostatakrebs zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Ein Blasenkarzinom tritt dagegen auch bei Frauen auf. Im Nierengewebe kann es ebenfalls zu unkontrollierten Wucherungen kommen, die sich leicht in benachbarte Organe ausbreiten. Ein Großteil der Patienten mit Blasenkrebs oder einem Nierenzell- bzw. Nierenbecken-Karzinom bleibt lange Zeit beschwerdefrei. In schätzungsweise 80 % aller Fälle ist blutiger Urin der erste – und oft auch der einzige – Warnhinweis auf den Tumor.

Andere Gründe für rötlichen Harn

Bei Muskelschäden infolge von Verletzungen kann Eiweiß in die Blutbahn geraten. Das wird mit dem Harn ausgeschieden und färbt ihn ebenfalls rot (Myoglobinurie). Im Unterschied zur Hämaturie entsteht die Farbe jedoch nicht durch rote Blutkörperchen, sondern durch ein Übermaß an Hämoglobin im Urin. Diese Hämoglobinurie kann auch bei bestimmten Formen der Blutarmut auftreten, als Begleiterscheinung von Autoimmunkrankheiten oder Allergien.

Diagnose und Behandlung

Normalerweise wird der Befund Blut im Urin zunächst durch Labortests beim Hausarzt oder Internisten abgeklärt. Danach folgen entsprechende Untersuchungen beim Facharzt für Gynäkologie, Urologie oder Nephrologie. Neben Ultraschall und Blasenspiegelung werden bildgebende Verfahren wie Computertomografie oder Magnetresonanztomografie eingesetzt. Ist die Ursache festgestellt, wird umgehend mit der entsprechenden Therapie begonnen. Im Normalfall heilen Entzündungen von Blase, Nieren und Harnleiter dank Antibiotika meist schnell und ohne Komplikationen aus. Auch Krebs im Bereich der Harnwege lässt sich gut behandeln, wenn der Tumor rechtzeitig entdeckt wird. Daher empfiehlt die Deutsche Krebshilfe allen Männern mittleren Alters, die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen unbedingt wahrzunehmen.

Risikofaktoren und Vorbeugungsmaßnahmen

Folgende Personengruppen sollten auf jeden Fall sofort zum Arzt gehen, wenn ihr Urin eine Rotfärbung zeigt: Prostata-Patienten, Diabetiker, Nierenkranke, Bluter und Menschen, die blutverdünnende Mittel einnehmen.
Rauchen, hoher Blutdruck, Alkohol, Schmerzmittel, und Umweltgifte belasten die Nieren. Reichlich Flüssigkeit kann Entzündungen vorbeugen und die Heilung beschleunigen, da krankmachende Keime schneller mit dem Urin ausgeschwemmt werden. Blasentee und stilles Wasser sollen den Entgiftungsprozess unterstützen. Zudem beugt ausreichende Flüssigkeitszufuhr der Bildung von Harnsteinen vor.