Harnsteine

In Deutschland werden inzwischen jährlich rund 1,2 Millionen Patienten aufgrund von Harnsteinen behandelt. Lesen Sie hier, warum falsche Ernährung der Hauptursacher ist.

Harnsteine sind kristalline Ablagerungen (Fachausdruck Konkremente) in der Niere und in den ableitenden Harnwegen. Verschiedenste Risikofaktoren unter anderem der Ernährung begünstigen ihre Entstehung. Sie sind inzwischen gut therapierbar.

Was sind Harnsteine

Harnsteine sind unterschiedlich groß und befinden sich bei ihrer Entstehung in den Hohlräumen der Niere. Damit sind sie von den Verkalkungen des Nierenfunktionsgewebes abzugrenzen, die etwa bei einer Nephrokalzinose entstehen und außerhalb dieses Hohlsystems liegen. Zu den Harnsteinen gehören die Nierensteine im Nierenbecken oder in den Nierenkelchen, die Steine im Harnleitersystem inklusive Harnröhre und diejenigen in der Blase. Größtenteils (zu rund 70 %) bestehen die Steine aus Calziumoxalaten. Daneben entstehen sie relativ oft aus Harnsäure, Magnesium-Ammonium-Phosphat, Kalziumphosphat oder Cystin.

Harnsteine: Symptome

Die Nierensteine führen während ihrer Lage in den Nierenhohlräumen nicht zu typischen Beschwerden. Nicht einmal die großen Ausgusssteine bemerken die meisten Patienten, bestenfalls spüren sie ein harmlos erscheinendes seitliches Ziehen im Nierenbereich. Erst wenn Steine oder Fragmente in den schmalen Harnleiter gelangen, entstehen eine Harnabflussstörung, ein sehr schmerzhafter Harnstau und die typische Nierenkolik, die durch Schmerzen im Nierenbereich, in der Leiste und Flanke, in den Hoden/Schamlippen und im Unterbauch auftreten. Die Schmerzen sind äußerst heftig und kommen in Intervallen. Ein einzelner Anfall kann sich über 15 bis 30 Minuten hinziehen (oft auch kürzer), die Pausen können einige Stunden andauern. Der Urin ist durch Blutbeimengungen oft rot gefärbt. Sollte parallel eine Harnwegsentzündung vorliegen, kommt es zum Brennen beim Wasserlassen und manchmal zu Fieber.

Diagnostik von Harnsteinen

Die Diagnostik verwendet vorwiegend Ultraschall und Röntgen, um den Harnstein zu lokalisieren und seine Größe festzustellen. Auch ein Nativ-CT (Computertomographie ohne Kontrastmittel) kann zum Einsatz kommen. Urologen erfragen regelmäßig die Krankheitsvorgeschichte inklusive vorliegender Fälle in der Familie. Es werden der Urin und das Blut untersucht. Die Harnsäure-, Kreatinin- und Kalziumwerte der Blutuntersuchung sind sehr aufschlussreich. Ein Ziel der Diagnostik ist die Bestimmung der Steinzusammensetzung, die für die Therapie maßgebend sein kann.

Ursachen und Risikofaktoren für Harnsteine

Die falsche Ernährung mit zu viel Fleisch, Wurst und Lebensmittel mit Calcium, gilt als eine der Hauptursachen. Sie enthält zu viel Calcium, Fette und Zucker. Dementsprechend sind die Risikofaktoren für eine Harnsteinentstehung zu benennen.

Risikofaktoren Harnsteine:

  • Übergewicht
  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Störungen des Harnsäurestoffwechsels (u.a. Gicht)
  • Falsche Ernährung
  • Schnelles Abnehmen ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Bettlägerigkeit
  • Erkrankungen der Nebenschilddrüse
  • Häufige Harnwegsinfektionen
  • Nierenfehlbildung

Therapie von Harnsteinen

Bis zu 80 % aller Harnsteine verlassen von selbst den Körper über die Harnwege. Ihre Austreibung lässt sich durch schmerz- und krampflösende Medikamente beschleunigen. Wenn der Spontanabgang trotz solcher Maßnahmen nicht erfolgt, ist eine weiterführende Behandlung nötig. Ein Notfall ist die schwere Kolik, die stets eine sofortige Behandlung erfordert. Zunächst verabreicht der Urologe Schmerzmittel zur unmittelbaren Linderung der Kolikbeschwerden, anschließend erfolgen weiterführende Untersuchungen. Nach deren Befund lässt sich eine Steintherapie anwenden. Es geht hierbei um die Größe, Lage und Zusammensetzung der Steine.

Übersicht Therapiemöglichkeiten:

  • Chemolitholyse
  • Harnleiterschiene
  • Perkutane Nephrolitholapaxie (PNL)
  • Ureterorenoskopie (URS)
  • offene Operation

Chemolitholyse

Harnsteine werden durch Medikamente gelöst, wirksam bei Harnsäuresteinen
Extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL): Fokussierte Schallwellen zertrümmern mit ihrer Energie die Harnsteine. Der Eingriff kann ambulant und ohne Narkose erfolgen. Die ESWL wirkt auf Harnsteine in der Niere und im Harnleiter. Es besteht das Risiko, dass bei einem sehr großen Stein die entstehenden Steintrümmer eine Verstopfung des Harnleiters verursachen. Durch die vorherige Diagnose mit Röntgen und/oder Ultraschall ist allerdings die Größe des Steins feststellbar, das Risiko lässt sich also minimieren. Falls Steintrümmer zu Verstopfungen des Harnleiters führen, sind diese durch eine Harnleiterschiene zu entfernen. Es sind in selteneren Fällen Blutergüsse im Bereich der Niere möglich.

Harnleiterschiene

Ein dünner Kunststoffschlauch wird über die Harnleiteröffnung bis zu den Nieren vorgeschoben. Er überbrückt Engstellen und fördert den Abgang des Steins.

Perkutane Nephrolitholapaxie (PNL)

Bei diesem operativen Verfahren wird von außen mit einer Punktionsnadel zur Niere ein dünner Kanal geschaffen. Durch diesen führt der Operateur ein optisches Instrument ein, sieht den Stein und zertrümmert ihn mit einem Laser. Das Verfahren eignet sich nicht für Steine im Harnleiter.

Ureterorenoskopie (URS)

Durch die Harnröhre wird ein Endoskop bis zum Nierenbecken geschoben, um dort Harnsteine zu zertrümmern. Das Verfahren eignet sich auch für kleine Steine, bei größeren Steinen ist PNL das Mittel der Wahl.

Offene Operation

Die offene Operation wird nur noch sehr selten angewendet. Sie wäre bei sehr großen Steinen und/oder anatomischen Besonderheiten nötig.

Unterschied Blasenstein und Harnstein

Zu unterscheiden ist in diesem Kontext zwischen den Blasensteinen und den übrigen Harnsteinen. Letztere entstehen vorwiegend durch die suboptimale Ernährung, aber auch durch Stoffwechselstörungen oder eine Veranlagung, während die Entstehung von Blasensteinen durch Blasenentleerungsstörungen stark begünstigt wird. Auch zu geringes Trinken, Harnwegsentzündungen, Abflussbehinderungen und anatomische Besonderheiten können Harnsteine entstehen lassen.