Harnblase – 10 Fragen über den Urinspeicher

Die Harnblase ist Teil eines hochkomplexen Organsystems. Erst wenn sie voll ist, macht sie sich bemerkbar. Doch wie funktioniert dieses perfekte Zusammenspiel zwischen der Blasenfunktion und dem Gehirn? Wieviel Urin passt in eine Harnblase? Ist langes Halten schädlich? Antworten auf 10 Fragen rund um die Harnblase.

Harnblase

1. Wozu ist die Harnblase da?

Die Harnblase hat die Aufgabe, den Urin, der bei der Reinigung des Blutes durch die Nieren entsteht, zu sammeln und über die Harnröhre aus dem Körper auszuscheiden.

2. Wieviel Urin passt in eine Harnblase?

Die Harnblase eines gesunden Menschen kann durchschnittlich bis zu einem Liter Urin speichern, wobei die genaue Maximalspeichermenge von der Körpergröße des Menschen und seiner individuellen Verfassung abhängt. Harndrang setzt bei den meisten Menschen bei 300 bis 400 Millilitern ein, wobei es auch hier eine große natürliche Schwankungsbreite gibt. Eine Harnblase lässt sich bezüglich ihrer “Harndrangmeldung” durchaus trainieren. Sie kann also lernen, sich erst später, bei größerem Füllvolumen zu melden. Allerdings ist eine Füllung von mehr als 500 bis 600 Millilitern aus medizinischen Gründen nicht erstrebenswert.

3. Welche typischen Erkrankungen der Harnblase gibt es?

Typische Erkrankungen der Harnblase sind Inkontinenz, Blasenentzündung, Reizblase.

Blasenschwäche bei Frauen ist weit verbeitet und kein Einzelschicksal.

4. Wie kommt es zu Inkontinenz?

Inkontinenz ist häufig die Folge eines geschwächten Beckenbodens nach der Geburt ist. Doch auch Verletzungen, neurologische Erkrankungen, Bandscheibenvorfälle, Rückenmarksschäden und chirurgische Eingriffe, wie etwa die Entfernung der Prostata beim Mann, können Blasenschwäche mit einhergehender Inkontinenz verursachen.

Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz gehören zu den häufigsten Inkontinenzformen.

5. Wie entsteht Blasenentzündung (Zystitis)?

Über die Harnröhre steigt eine Infektion auf, die bis zu den Nieren gelangen kann. Aufgrund ihrer kurzen Harnröhre sowie hormoneller Veränderungen sind Frauen häufiger betroffen als Männer.

6. Was versteht man unter Reizblase?

Die Reizblase geht einher mit häufigem, zumeist “überfallartigen” Harndrang, bei dem immer nur geringe Urinmengen abfließen. Häufig wird sie durch Blasensteine, Blasentumore (Fisteln, Blasenkrebs) oder neurologische Erkrankungen verursacht.

7. Was ist der Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Harnblase?

Die Anatomie der Harn ableitenden Organe wird im Wesentlichen durch die Geschlechtsorgane bestimmt. Damit ergeben sich zwischen den Geschlechtern folgende Unterschiede:

Frauen verfügen über eine vergleichsweise kurze Harnröhre (drei bis vier Zentimeter), welche im Scheidenvorhof endet. Zudem liegt die weibliche Harnröhre sehr dicht am Darmausgang. Der Beckenboden als Bestandteil des Schließmechanismus wird demnach von der Vagina, die gleichzeitig Geburtskanal ist, durchbrochen.

Die Harnröhre des Mannes ist etwa 20 Zentimeter lang. Sie endet am Penis, unmittelbar an der Eichelspitze. Unterhalb der Blase befindet sich die Prostata, die bei krankhafter Vergrößerung den Verschlussmechanismus der Blase beeinträchtigt und die Entleerung, trotz intakten Harnsystems, erschwert.

8. Wie ist die Harnblase aufgebaut?

Die Harnblase ist ein elastisches, äußerst dehnbares Hohlorgan, welches sich im unteren Bereich der Bauchhöhle, hinter dem Schambein, befindet. Sie besteht aus einem mehrschichtigen Muskelsystem und ist von einem komplexen Nervengeflecht umgeben. Im leeren Zustand hat die Blase eine eher abgeflachte Form. Je mehr sie sich füllt, umso runder wird sie. Die Blase ist direkt mit den beiden Harnleitern sowie der Harnröhre verbunden. Ein spezieller Schließmechanismus, bestehend aus Beckenbodenmuskulatur und Schließmuskel sorgt dafür, dass vor der vom Gehirn gesteuerten Entleerung kein Urin abgegeben wird.

9. Wie funktioniert das Entleeren der Harnblase?

Ist die Harnblase leer, ist die Blasenmuskulatur entspannt und der Schließmuskel so fest angespannt, dass die Blase verschlossen bleibt. Im Innern der Blase, der sogenannten Blasenwand, befinden sich zahlreiche Dehnungsrezeptoren. Diese speziellen Nerven registrieren während der Füllung ständig den Füllungszustand, wobei der Blasenschließmuskel weiterhin fest angespannt bleibt. Bereits bei halb gefüllter Blase informieren die Nerven das Gehirn, dass die Spannung in der Blasenwand zunimmt und Sie verspüren den Drang, zur Toilette zu gehen. Dort entspannen Sie willentlich Ihren Schließmuskel, sodass der Urin abfließen kann.

Bis zu einem gewissen Füllgrad können Sie diesen Reiz willentlich unterdrücken. Ist die maximale Speicherkapazität erreicht und die Spannung im Blasenmuskel zu groß, entspannt sich der Schließmuskel zwangsläufig. Bei gesunden Menschen mit intakter Blasenfunktion ist ein Platzen der Harnblase deshalb ausgeschlossen.

10. Ist langes Halten des Urins schädlich für die Harnblase?

Sehr langes Einhalten, trotz Harndrang, ist grundsätzlich schädlich für die Blase. Das Zurückhalten des Urins über einen langen Zeitraum kann zu einer “Überfüllung” der Harnblase führen, in deren Folge sich die Muskulatur überdehnt. Normales Zusammenziehen funktioniert dann nicht mehr. Die Folge ist eine dauerhaft schlaffe, sogenannte “atone” Harnblase, die sich im Extremfall gar nicht mehr willentlich entleeren lässt.

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