Prostatakrebs

Als Prostatakrebs (Prostatakarzinom) wird eine bösartige Tumorerkrankung der männlichen Vorsteherdrüse bezeichnet. Die etwa vier Zentimeter große und walnussförmige Drüse liegt direkt unter der Harnblase, wo sie ringförmig die Harnröhre umschließt. Sie grenzt rückseitig an den Enddarm. Die Zellen der Prostata können wie jede andere Körperzelle „entarten“, sodass sie sich unkontrolliert vermehren. Es kommt zu einem erhöhten Zellwachstum und es entsteht ein Geschwulst.

Häufigkeit von Prostatakrebs

Mit etwa ca. 26 Prozent und 63.400 Neuerkrankungen im Jahr ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung unter deutschen Männern. Zugleich hat Prostatakrebs eine Sterberate von lediglich 3 Prozent und eine 5-Jahres-Überlebensrate von 93 Prozent. Fünf von sechs Männern, bei denen Prostatakrebs diagnostiziert wurde, sterben nicht an der Krebserkrankung, sondern an einer anderen Ursache.

Prostatakrebs entsteht zumeist unbemerkt

Da es in aller Regel erst dann zu Beschwerden kommt, wenn der Tumor bereits so stark gewachsen ist, dass er entweder auf die Harnröhre drückt oder sich Tochtergeschwulste (Metastasen) außerhalb der Vorsteherdrüse entwickelt haben, entsteht die Erkrankung häufig unbemerkt. Im späteren Verlauf neigt Prostatakrebs dazu, sich entlang der Nervenfasern bis in die Lymphbahnen und Knochen auszubreiten, wo sich dann Metastasen bilden können. Daher klagen Betroffene oftmals über Knochenschmerzen.

Die Leitsymptome ähneln denen einer gutartigen Prostatahyperplasie (Prostatavergrößerung).

Symptome von Prostatakrebs

Ab einer bestimmten Größe beeinträchtigt die Geschwulst die angrenzenden Strukturen und es kommt zu folgenden Beschwerden:

● vermehrter Harndrang (v.a. nachts)
● Schwierigkeiten beim Urinieren (u.a. zu Beginn, schwacher bzw. unterbrochener Harnfluss)
● Unfähigkeit zu Urinieren (Harnverhalt)
● schmerzhafte und/oder verminderte Ejakulation
● Schmerzen im Bereich der Prostata
● Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit
● ausgeprägte Schmerzen im unteren Bereich des Rückens (Kreuzgegend), des Beckens, der Hüften oder Oberschenkel
● verminderte Erektionsfähigkeit oder Impotenz

Diese Symptome treten ebenfalls bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata – einer sogenannten Prostatahyperplasie – auf. Entsprechend sollten die genannten Beschwerden in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden.

Ursachen und Risikofaktoren von Prostatakrebs

Die genauen Ursachen für die Entwicklung von Prostatakrebs sind bislang nicht geklärt. Man geht allerdings davon aus, dass neben einer genetischen Veranlagung, das Alter und bestimmte Faktoren des Lebensstils wie die Ernährungsgewohnheiten eine Rolle spielen.

Das Alter

Das Alter stellt eindeutig den bedeutendsten Risikofaktor für die Entwicklung von Prostatakrebs dar. Während das Risiko, in den folgenden zehn Jahren an einem Prostatakarzinom zu erkranken, bei einem 45-jährigen Mann bei 1:220 liegt, liegt dieses bei einem 75-jährigen Mann bei 1:17. Schätzungsweise 9 von 10 Männern über 90 Jahren weisen Krebszellen in ihrer Prostata auf.

Die genetische Veranlagung

Auch die genetische Veranlagung, das heißt die Häufigkeit, mit der die Krebserkrankung in der eigenen Familie auftritt, spielt eine bedeutende Rolle. Je mehr Familienangehörige an einem Prostatakrebs erkranken und je jünger diese bei Diagnosestellung sind, desto stärker steigt die Wahrscheinlichkeit, dass männliche Angehörige – insbesondere nahe – ebenfalls erkranken. Ist beispielsweise der Vater oder der Bruder an Prostatakrebs erkrankt, steigt die Wahrscheinlichkeit, selbst zu erkranken, auf das Doppelte. Daher wird Männern mit vermehrten Auftreten der Erkrankung in der Familie empfohlen, Früherkennungsuntersuchungen durchführen zu lassen.

Weitere Risikofaktoren

Wie auch bei anderen Krebsarten erhöht auch der Konsum von Nikotin und Alkohol das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Darüber hinaus wird der Ernährung eine Rolle zugeschrieben. Afrikanische Männer erkranken häufiger an Prostatakrebs als asiatische oder europäische. Neben sozioökonomischen Faktoren werden auch die unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten für die unterschiedlichen Erkrankungshäufigkeiten verantwortlich gemacht. Darüber hinaus erhöht auch mangelnde Bewegung das allgemeine Risiko für die Entstehung einer Krebserkrankung – so auch für Prostatakrebs.

Diagnose von Prostatakrebs

Ab dem 50. Lebensjahr können bei jedem zweiten Mann Veränderungen an der Prostata beobachtet werden. Um abzuklären, ob es sich um eine gutartige Vergrößerung (Prostatahyperplasie) oder bösartige Veränderung der Vorsteherdrüse handelt, werden unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt.

Tastuntersuchung

Da Prostatakrebs zumeist die äußeren Region der Vorsteherdrüse betrifft, kann die Geschwulst oftmals mit dem Finger vom Enddarm aus ertastet werden. Im Rahmen einer solchen rektalen Tastuntersuchung werden ca. 20 Prozent der Karzinome gefunden. Da Tumore aber nur ab einer bestimmten Größe durch eine Tastuntersuchung festgestellt werden können, können weitere Diagnoseverfahren zum Einsatz kommen.

PSA-Test

Durch einen sogenannten PSA-Test wird im Blut die Konzentration des „prostataspezifischen Antigens“ (PSA) bestimmt. PSA ist ein ausschließlich von der Prostata gebildetes Protein, das die Samenflüssigkeit verflüssigt. Ein erhöhter Wert kann ein Hinweis auf das Vorliegen einer Krebserkrankung sein, kann aber auch durch andere Ursachen wie eine gutartige Prostatavergrößerung bedingt werden. Immerhin können bei 75 Prozent der Männer mit erhöhtem PSA-Wert in der Gewebeprobe keine Krebszellen nachgewiesen werden. Dennoch gilt: Liegt Prostatakrebs vor, ist der PSA-Wert in aller Regel deutlich erhöht. Der Wert steigt zudem mit zunehmendem Tumorwachstum.

Gewebeentnahme (Biopsie)

Ist der PSA-Wert auffallend hoch (ab 4 ng/ml) oder war der Befund der Tastuntersuchung positiv, wird zumeist eine Biopsie durchgeführt. Hierbei entnimmt der Arzt unter Ultraschallkontrolle mit einer dünnen Nadel über den Enddarm mehrerer Proben aus dem Prostatagewebe. Anschließend wird das entnommene Gewebe von einem Pathologen auf Krebszellen hin untersucht. Dieser kann im Rahmen dieser histologischen Untersuchung außerdem feststellen, wie aggressiv die Krebszellen sind.

Bildgebende Verfahren

Bildgebende Verfahren spielen bei der Erstdiagnose von Prostatakrebs eine eher zu vernachlässigende Rolle. Zumeist kommen sie zur Ausbreitungsdiagnostik zur Anwendung, wenn der Betroffene zusätzlich über Knochenschmerzen klagt oder der PSA-Wert und die histologische Untersuchung auf eine Ausbreitung der Krebszellen hindeuten:

● Skelettszintigrafie: Das nuklearmedizinische Verfahren dient der Feststellung von Knochenmetastasen.
● MRT und CT: Die Magnetresonanztomografie und Computertomografie geben zum einen Aufschluss über das genaue Prostatavolumen und Lokalisation des betroffenen Bereichs. Zudem können mit diesen Verfahren Metastasen in Lymphknoten und anderen Geweben sichtbar gemacht werden.
● Oberbauch-Ultraschall: Mithilfe der Oberbauch-Sonografie können Lebermetastasen festgestellt bzw. ausgeschlossen werden.

Therapie von Prostatakrebs

Wurde Prostatakrebs diagnostiziert sowie Ausmaß und Stadium bestimmt, wird in Absprache mit den jeweils Betroffenen entschieden, welche der zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden genutzt werden sollen.

Behandlung im Frühstadium

Prostatakrebs wächst oftmals nur langsam und stellt nicht immer sofort eine Bedrohung für den betroffenen Mann dar. Bei der Behandlung von Prostatakrebs spielen daher abwartende Strategien ein bedeutende Rolle. Beim der aktiven Überwachung („Active Surveillance“) wird so lange nicht behandelt, wie der Tumor unauffällig bleibt. Der Betroffene wird dabei engmaschig kontrolliert, um rechtzeitig eine Behandlung einleiten zu können. Bei diesen dreimonatigen Kontrollen findet eine PSA-Wert-Bestimmung sowie eine digital-rektale Untersuchung statt. Bleiben die Werte zwei Jahre lang stabil, wird das Intervall auf ein halbes Jahr verlängert. Zusätzlich werden nach einem halben Jahr und anschließend alle 12 bis 18 Monate Kontrollbiopsien durchgeführt. Bleiben die Befunde auch hier stabil, verlängert sich das Intervall auf drei Jahre. Werden Anzeichen eines Fortschreitens der Tumorerkrankung festgestellt, sind weitere Behandlungsschritte angezeigt.

Operation

Beschränkt sich der Tumor auf die Prostata, wird er häufig im Rahmen einer sogenannten radikalen Prostataektomie mit der gesamten Prostata und den Samenblasen operativ entfernt. Hierfür können unterschiedliche Operationstechniken zum Einsatz kommen, die in Bezug auf Erfolgsrate sowie Wahrscheinlichkeit von Komplikationen und unerwünschten Folgeerscheinungen gleichwertig sind.

Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie werden die Zellkerne der Krebszellen durch radioaktive Strahlung zerstört, sodass diese absterben. Die Strahlentherapie wird als alleinige Behandlungsmethode bei lokal begrenzten Tumoren, zusätzlich im Anschluss an eine Operation (adjuvante Strahlentherapie) oder bei lokal fortgeschrittenen Tumoren in Verbindung mit einer Hormontherapie eingesetzt. Dabei kommen zwei verschiedene Bestrahlungsarten zur Anwendung: die Bestrahlung von außen (sogenannte perkutane – „durch die Haut“ – Bestrahlung) sowie die Bestrahlung von innen (sogenannte Brachytherapie).

Behandlung im fortgeschrittenen Stadium

Hat der Tumor Metastasen gebildet, kommen in aller Regel zunächst zwei Behandlungsstrategien infrage: Abwartendes Beobachten und eine Hormontherapie. Beim abwartenden Beobachten wird so lange nicht behandelt, bis sich die ersten Symptome zeigen, um dem Betroffenen möglichst lange die Nebenwirkungen zu ersparen.

Hormontherapie (Antiandrogentherapie)

Durch eine hormonelle Therapie kann das Wachstum eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms oftmals für Jahre gehemmt werden. Da Testosteron den Tumor wachsen lässt, besteht die Hormontherapie in der Unterdrückung der körpereigenen Hormonproduktion durch Medikamente oder eine Hodenentfernung (Orchiektomie). Eine weitere Möglichkeit stellt die Blockade der Androgenrezeptoren an den Tumorzellen durch spezielle Medikamente dar. Häufig entwickeln die Tumorzellen langfristig eine Resistenz gegenüber diesem Androgenentzug. In diesem als kastrationsresistent bezeichneten Stadium kann zusätzlich eine Immuntherapie oder eine Chemotherapie angezeigt sein.

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