Urin – wie Farbe und Geruch prüfen

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Urin stellt schon seit Jahrtausenden eine Möglichkeit zur Diagnose von Krankheitsbildern dar. Schon in der Antike wurde das Harnerzeugnis eingehenden Prüfungen unterzogen und ließ Rückschlüsse auf die Konstitution des Patienten zu.

Urin als Gesundheitsindikator

Heutzutage sind die medizinischen und diagnostischen Methoden selbstverständlich nicht mehr nur auf Aussehen, Konsistenz und – ja, auch das – Geschmack angewiesen. Der Urin kann heute auf molekularer Ebene analysiert werden und entlarvt so manche Krankheit, z.B. Harnwegsinfekte und Blasenentzündungen. Außerdem gilt er als ein verlässlicher Ersthinweis auf eine möglicherweise bestehende Stoffwechselerkrankung wie Diabetes Mellitus.

Urin und seine Farbe

Über die Farbe des Harns, der in der Harnblase gespeichert wird, teilen sich Defizite und Krankheitsbilder im menschlichen Körper mit. Anhand der Farbe kann eine erste Einteilung nach Augenmaß erfolgen.

Farbloser Urin entsteht, wenn die Wasserkonzentration im Körper höher ist, als der Stoffwechsel erfordert. Das überschüssige Wasser wird wieder ausgestoßen. Wenn der Betroffene übermäßig viel trinkt und sich durch einen unüblichen Durst auszeichnet, könnte eine Diabetes Mellitus-Erkrankung vorliegen.

Roter Urin ist zumeist auf Farbstoffe zurückzuführen, die über das Blut in den Harn gelangen. Dieses Blut könnte einerseits von inneren Verletzungen des Harntraktes herrühren, andererseits auf eine Einblutung durch Prellungen, Quetschungen oder andere äußere Verletzungen zurückgehen. Farbstoffe kommen außerdem über die Nahrung in den Urin (z.B. Rote Beete).

Blauer bzw. grüner Urin ist extrem selten und folgt zumeist auf eine Behandlung mit speziellen medizinischen Präparaten. Die Beobachtung bläulichen oder grünlichen Urins sollte dringend mit einem Arzt besprochen werden, insbesondere wenn keine Behandlung mit Arzneimitteln vorliegt.

Tiefgelber, oranger oder brauner Urin wird vor allem durch einen eklatanten Wassermangel verursacht. In extremen Fällen kann der Harnstoff nicht mehr ausreichend in Wasser gelöst werden, sodass das Sekret pastös wird. Menschen mit diesem Urinbild sollten einen Arzt aufsuchen und unbedingt mehr trinken. Wassermangel kann zu Ohnmachtsanfällen, Migräne und Kreislaufzusammenbrüchen führen, im Ernstfall sogar zum Tod. Außerdem könnte die Farbe auf eine Erkrankung im Leber- oder Gallebereich hinweisen. Auch Beschwerden in der Bauchspeicheldrüse zeigen sich in einer dunklen Harnfarbe. Brauner Urin sollte keinesfalls ignoriert werden. Gehen Sie umgehend zum Arzt!

Brauner bis schwarzer Urin hat zumeist eine der drei folgenden Ursachen. Die erste Möglichkeit findet sich in speziellen Medikamenten. Hier sollte Sie der Arzt über die Nebenwirkungen aufklären. Außerdem ist extrem dunkler Urin ein Symptom der Stoffwechselerkrankung Alkaptonurie. Schließlich tritt das Symptom auch bei einer fortgeschrittenen Hautkrebserscheinung auf und gilt daher als alarmierendes Zeichen, unverzüglich einen Mediziner aufzusuchen.

Urin und sein Geruch

Auch ein spezifischer Geruch des Urins kann Rückschlüsse auf den allgemeinen Gesundheitszustand gewähren.

Zuckriger/süßlicher Geruch ist charakteristisch für eine Stoffwechselerkrankung namens Diabetes Mellitus. Dieses Phänomen war auch schon Medizinern im 17. Jahrhundert bekannt und wurde honigsüßer Durchfluss genannt. Bei dieser Erkrankung kann der Körper den Zuckerhaushalt nicht mehr regulieren, da er kein Insulin mehr herstellt. Langfristig kann DM zu Herzproblemen, Sichtschwächen und sogar zum Absterben des Fußes führen. Süßlicher Geruch bzw. Geschmack tritt überdies nach schweren physischen Anstrengungen, bei Fieber und schlechter Ernährung, insbesondere bei adipösen Menschen, auf.

Scharfer, beißender Ammoniakgeruch ist vor allem ein Hinweis auf eine Harnwegsinfektion. Spezielle Erreger bewirken, dass der Urin frisch ausgeschieden schon so riecht, als würde er minuten- bzw. stundenlang in der Toilette lagern.

Klarer, alkoholischer Geruch wird zumeist von Bestandteilen von Trinkalkohol hervorgerufen. Eine hohe Konzentration alkoholischer Abfallstoffe suggeriert dabei einen viel zu hohen Alkoholkonsum. Dieser Geruch tritt vor allem bei Menschen mit einem Alkoholproblem auf.

Fischiger Geruch ist vor allem bei Frauen ein untrügliches erste Anzeichen für eine Infektion im Genitalbereich. Dazu zählen Harnwegsinfekte, Blasenentzündungen, aber auch Geschlechtskrankheiten.

Was ist Urin?

Urin, oder auch Harn, wird in den Nieren gebildet und gelangt über den Harnleiter in die Harnblase, von wo er über die Harnröhre durch das Ausscheidungsorgan geschleust und schließlich ausgestoßen wird. Als Ausscheidungsprodukt zeichnet Harn mit dafür verantwortlich, dass der Stoffwechsel normgemäß abläuft. Über die zumeist leicht gelbe, flüssige Substanz werden Abfallstoffe des Metabolismus ausgeschieden. Außerdem wird der Elektrolyte- und Flüssigkeitshaushalt reguliert. Urin besteht somit hauptsächlich aus Wasser und Elektrolyten. Zusätzlich wird bei der Miktion, wie die Harnausscheidung fachsprachlich genannt wird, Harnstoff abgesondert. Weitere Bestandteile in geringeren Mengen sind Kreatinin, Säuren und überschüssige Vitamine.

Schlaganfall- und Herzinfarktprävention

Ein kleiner und günstiger Teststreifen reicht aus, um im Urin den Eiweißgehalt festzustellen. Ist er dramatisch erhöht, spricht vieles für eine vorliegende Niereninsuffizienz. Dieses Krankheitsbild ist oftmals latent und äußert sich kaum durch greifbare Symptome. Unbehandelt führt eine Niereninsuffizienz jedoch in vielen Fällen zu einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt. Mittels Urintest kann dieses Risiko frühzeitig festgestellt und im Anschluss mit einer Dialyse behandelt werden.

Harndrang und Blasenentzündung

Wer häufig Harndrang verspürt, beim Gang auf die Toilette jedoch lediglich tröpfchenweise Harn ausscheidet, schleppt möglicherweise eine Entzündung mit sich herum. Gerade bei Frauen kommen Blasenentzündungen gehäuft vor und äußern sich durch vermehrten Harndrang, eingeschränkte Miktion und ein Brennen beim Wasserlassen. Blasenentzündungen entstehen häufig durch sexuellen Kontakt und werden durch Kälte im Beckenbereich begünstigt. Übungen für die Beckenbodenmuskulatur sollen als Präventivmittel gegen Blasenentzündungen effektiv sein.