Sturzprophylaxe: Gefährliche Stürze von Pflegebedürftigen vermeiden

Sturzprophylaxe

Sturzprophylaxe ist ein wichtiger Baustein in der Pflege von Angehörigen und Bedürftigen. Erfahren Sie hier, wie gefährliche Stürze gemieden werden und welche Gefahrenquellen Zuhause lauern.

Die Sturzprophylaxe umfasst alle vorbeugenden Maßnahmen, die gefährliche Stürze verhindern sollen. Denn Stürze können ernstzunehmende Verletzungen in Folge haben, von denen sich Pflegebedürftige kaum mehr erholen. Deshalb zählen zu den vorbeugenden Maßnahmen Anpassungen im Wohnumfeld, Änderung der Lebensgewohnheiten und auch bestimmte Hilfsmittel.

Krankheit als Auslöser von Stürzen

Viele Sturzursachen beruhen auf gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Dazu zählen vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Vorerkrankungen wie Schlaganfall.

Auslöser von Stürzen:

  • Gleichgewichtsstörungen
  • Blutdruckschwankungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Medikamentennebenwirkungen
  • Vorerkrankungen wie Schlaganfall, Epilepsie, Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson
  • Demenz
  • Polyneuropathie
  • Verwirrtheit

Hohe Sturzgefahr bei bestehenden Erkrankungen

Liegt einer der oben genannten Erkrankungen vor, ist die Sturzgefahr deutlich erhöht. Hier sollte geprüft werden, ob eine Besserung der Krankheit absehbar ist. Ist dies allerdings kaum noch möglich, sollten Sie als Senior gemeinsam mit Ihren Angehörigen über eine Wohnalternative wie einen Umzug ins Haus der Kinder, in betreutes Wohnen oder in eine Seniorenresidenz nachdenken. Es ist geschickter und für alle Beteiligten zufriedenstellender, dies bereits rechtzeitig und wohlüberlegt im Voraus zu tun, als bei einem späteren Notfall überstürzte Entscheidungen treffen und Kompromisse eingehen zu müssen.

Stürze bei gesunden Älteren

Zu Stürzen im Alltag bei gesunden älteren Menschen können zahlreiche Ursachen führen, manche davon erscheinen geradezu banal. Senioren spielen bereits stattgefundene Stürze häufig herunter oder verschweigen sie gegenüber ihren Angehörigen sogar – aus Scham oder weil sie Bevormundung fürchten. Erfahrungsgemäß hilft eine solche Verdrängungsmethode nicht wirklich, sondern vertagt nur das Problem. Ohne Ursachenklärung werden wahrscheinlich weitere Stürze folgen, womöglich mit unangenehmen Resultaten.

Sturzprophylaxe Tipps

Wer einfache Methoden sucht, um die Sturzgefahr zu senken, berücksichtigt folgende Tipps.

Sturzprophylaxe Tipp 1: Ausreichend trinken

Flüssigkeitsmangel führt zu Kopfschmerzen, Schwindel und verringerter Aufmerksamkeit. Bei älteren Personen kann dies schnell zu einem Sturz führen. Daher ist ausreichend und über den Tag verteilt trinken förderlich für die Sturzprophylaxe.

Sturzprophylaxe Tipp 2: Schuhe

Schlecht sitzende oder lose Schuhe sind Stolperfallen und sollten gegen festes Schuhwerk ausgetauscht werden.

Sturzprophylaxe Tipp 3: Sehschwäche beachten

Viele Senioren vergessen oft ihre Brillen oder haben eine geänderte Sehschwäche ohne es zu merken. Jedoch fördert Sehschwäche gefährliche Stürze. Daher sollten Brillenträger bewusst ihre Brillen zur Hand nehmen und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt wahrnehmen.

Maßnahmen für Zuhause

Mit ein paar Anpassungen Zuhause können pflegende Angehörige bereits Sturzprophylaxe betreiben. Hier sind mit doppelseitigem Klebeband versehene und obendrein flache Teppiche sowie das Entfernen der Türschwellen empfehlenswert. In Sanitärräumen haben sich Antirutschmaterialien auf Fliesen, Duschtassen und Badewannen bewährt und außerdem Haltegriffe an Duschen, Wannen und Toiletten sowie Duschhocker. Eine gute Beleuchtung der obendrein aufgeräumten Zimmer beugt ebenfalls Stürzen vor. Hilfreich ist auch das Kennzeichnen von Treppenstufen mit Leuchtstreifen. Für einige der empfohlenen Vorbeugungsmittel gibt es finanzielle Unterstützung von Krankenkassen. Nachfragen kostet nichts, kann sich aber durchaus lohnen.

Sturzprophylaxe Zuhause:

  • Lose liegende Teppiche festkleben oder gar ganz entfernen
  • Antirutschmatten im Bad, WC und Dusche/Badewanne
  • Herumliegende Kabel entfernen oder verstecken
  • Türschwellen auffällig markieren oder entfernen
  • Haltevorrichtungen an Badewanne, Dusche und Toilette anbringen
  • Nassen Boden vermeiden
  • Dunkle Räume besser ausleuchten
  • Leuchtstreifen für Treppenstufen

Häufige Folgen von Stürzen im Alter

Immer wieder ist zu beobachten, dass Senioren die drohende Sturzgefahr im Alter bagatellisieren oder sich davon ausnehmen. Sie passen schon auf. Hinzu kommt: Fast jeder möchte zwar gern alt werden, aber niemand möchte es sein. Dieser kollektiven Verdrängung ist es zu verdanken, dass leider viele Stürze das Leben Betroffener von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellen. Tragisch daran: Eine Menge dieser Stürze mit dramatischen Folgen wären vermeidbar gewesen.

Ernstzunehmende Verletzungen

Wenn auch ein Großteil der Stürze im Seniorenalter eine nur vorübergehende Beeinträchtigung nach sich zieht, bleibt doch festzustellen, dass circa jeder zehnte Sturz erhebliche Gesundheitsschäden auslöst. Dabei steigt das Risiko, das heißt die Häufigkeit der dauerhaften Sturzfolgen, mit zunehmendem Alter. Bei bereits erfolgten Stürzen gilt die Aufmerksamkeit umso mehr der Sturzprophylaxe.

Typische Sturzfolgen:

  • Weichteilverletzungen
  • Brüche von Armen, Beinen, Becken oder Hüfte
  • Schädel-Hirn-Verletzungen

Folgen einer Bettlägerigkeit aufgrund eines Sturzes

Aufgrund einer längeren Bettlägerigkeit während der Therapie von Sturzfolgen kann es zu weiteren Komplikationen kommen wie Embolien, Thrombosen, Infektionen oder Nekrosen von Teilen der Knochen oder Gelenke. Zu beobachten sind überdies dauerhafte Mobilitätseinschränkungen nach altersbedingten Stürzen. Schädel-Hirn-Traumen wiederum können verschiedene kognitive Beeinträchtigungen auslösen.

Vollständige Erholung nicht in jedem Fall

Falls Sie im Alter einen Sturz mit gravierenden gesundheitlichen Schäden erleiden, werden Sie sich voraussichtlich nicht mehr vollständig davon erholen. Selbst wenn Sie nicht zum Pflegefall werden, kann eine gelegentliche pflegerische Betreuung erforderlich sein. Eine verminderte Mobilität schmälert Ihre vorherige Lebensqualität. Hinzu kommt die Verunsicherung wegen denkbarer weiterer Stürze.

Welches Risiko Stürze im Alter noch bergen

Neben den bereits erwähnten Gefahren bestehen für Senioren weitere Risiken bei Stürzen. So geschieht es gar nicht selten, dass es alte Menschen nach einem Sturz nicht schaffen, wieder aufzustehen. Leben sie allein, kann das bedeuten, dass sie tagelang hilflos zu Hause auf dem Boden liegen, ohne jemanden per Telefon oder in der Nachbarschaft erreichen zu können. Ohne Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr werden sie zunehmend schwächer. Dazu sind sie durch ihre beim Sturz erlittenen Verletzungen zusätzlich gehandicapt. Nicht alle dieser Senioren haben das Glück, dass sie Angehörige, Freunde oder aufmerksame Nachbarn in ihrer misslichen Lage noch rechtzeitig entdecken.

Notruf-Systeme

Notruf-Systeme stellen ein hilfreiches Mittel zur Sturzprophylaxe dar. Sie sollen ermöglichen, dass ein gestürzter älterer Mensch selbst einen Notruf sendet. Sturzgefährdete Senioren tragen die auch als Funkfinger, Heimnotruf oder Seniorenalarm bezeichneten kleinen Rufanlagen wie ein Schmuckstück am Handgelenk oder Hals. Die Rufbereitschaft kostet eine monatliche Gebühr. Nähere Informationen hierzu geben Einrichtungen wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter, Malteser oder der Arbeiter-Samariter-Bund.

Inwieweit beeinflussen Medikamente die Sturzgefahr bei Senioren?

Meistens steigt mit zunehmendem Alter auch die Menge der ärztlich verordneten Medikamente. Schlafmittel und Beruhigungsmittel wirken bei Senioren oft stärker und länger als bei jüngeren Personen. Insbesondere Benommenheit und Orientierungslosigkeit führen bei nächtlichem Aufstehen leicht zu Stürzen. Ebenso können Schmerzmittel vermehrt Stürze auslösen, da sie neben der Schmerzlinderung häufig entspannen und ermüden mit daraus resultierender Unaufmerksamkeit. Besondere Vorsicht bei der Sturzprophylaxe gilt für Arzneimittel der Gruppe der Opiate.

Häufigkeit von Pflegebedürftigkeit nach Stürzen

Bei rund 50 % Prozent der nach einem Sturz in einem Krankenhaus behandelten Senioren wird eine vorübergehende Pflegebedürftigkeit angegeben, bei 20 % bis 30 % sogar ein dauerhafter Pflegebedarf. Für knapp 20 % der alten Patienten ist anschließend der Umzug in ein Pflegeheim erforderlich. Außerdem sollte die Todesrate unter den Senioren, die sich bei ihrem Sturz eine Schenkelhalsfraktur zuzogen, beachtet werden. Denn ungefähr 12 % bis 24 % von ihnen sterben während des ersten Jahres nach dem Sturzereignis. Bei Personen im Alter von über 85 Jahren sollte dies jedes dritte bis vierte Sturzopfer betreffen.

Geriatrische Untersuchung

Statt vager pauschaler Spekulationen über die Sturzursache bringt eine geriatrische Untersuchung oft mehr Licht ins Dunkel. Der erfahrene Geriater führt eine Sturzanamnese durch, in der er neben den Sturzumständen relevante Faktoren wie Erkrankungen, weitere körperliche Einschränkungen, die allgemeine körperliche und geistige Kondition sowie verordnete Medikamente zur Urteilsbildung heranzieht. Dem sich dabei abzeichnenden persönlichen Schwachpunkt begegnet der Geriater mit einem individuellen Trainingsprogramm.

Fazit Sturzprophylaxe

Was in der Kindheit alltäglich ist und auch im mittleren Alter eher selten dauerhafte Konsequenzen nach sich zieht, wird im Alter zu einer ernsthaften Bedrohung: Stürze. Es ist wichtig, dass Sie sich dieser Gefahr bewusst sind, denn Stürze im Alter bedeuten für Betroffene häufig einen drastischen Wandel ihrer bisherigen Lebenssituation bis hin zur Pflegebedürftigkeit. Das Wissen um mögliche Ursachen und eine entsprechende Vorbeugung können Ihre Lebensqualität im Alter länger erhalten.