Harnwegsinfekt

Harnwegsinfekt

Oft passiert es im Schwimmbad oder auf der Toilette. Auch beim Sex kann man sich anstecken und sogar beim Besuch im Krankenhaus. Der Harnwegsinfekt zählt zu den häufigsten Erkrankungen in unserem Breitengrad. Wir erklären warum und was man tun kann.

Ein Harnwegsinfekt macht sich zunächst durch Jucken und Brennen beim Wasserlassen bemerkbar. Ob man sich einen Harnwegsinfekt einfängt, hängt von vielen Faktoren ab. Hygiene spielt als Vorbeugungsmaßnahme eine ebenso wichtige Rolle wie eine gute Immunabwehr.

Symptome bei Harnwegsinfekt

Eine Entzündung der Harnröhre macht sich zunächst durch Jucken und Brennen beim Wasserlassen bemerkbar. Später kann eitriger Ausfluss auftreten. Haben die Erreger bereits die Blase erreicht, kommt ständiger Harndrang hinzu. Manchmal findet sich Blut im Urin (Hämaturie). Oft klagen Betroffene nicht nur über Brennen, sondern über Schmerzen beim Wasserlassen, die auch nach der Entleerung der Blase andauern. Diese Infekte der unteren Harnwege verlaufen normalerweise ohne Fieber. Sie können im Normalfall sehr gut mit einer einmaligen Antibiotika-Gabe behandelt werden.

Häufigkeit von Harnwegsinfekt

Neben Atemwegsinfektionen zählen Harnwegsinfekte zu den häufigsten Erkrankungen in den westlichen Industrieländern. Im Unterschied zu Grippeviren handelt es sich bei den Erregern normalerweise um Bakterien wie Echerichia coli oder Enterokokken. Daher lassen sich die meisten Infektionen der Harnwege sehr gut mit Antibiotika behandeln.

Beim ersten Anzeichen viel trinken

Doch nur wer schon beim ersten Anzeichen viel Flüssigkeit trinkt, um die krankmachenden Keime auszuschwemmen, kann den Harnwegsinfekt noch stoppen. Zudem sollte man Nieren und Blase warm halten, starke körperliche Anstrengung vermeiden und sich schonen.

Nicht irgendein Antibiotikum

Im Gegensatz zum unteren Harnwegsinfekt ist bei Infektionen der oberen Harnwege oftmals eine genaue Identifikation der Erreger nötig, um das passende Antibiotikum zu finden. Denn genau zugeschnittene Antibiotika helfen schneller und effektiver als Breitband-Antibiotika. Die Behandlung kann acht Tage und länger dauern. Bei starken Beschwerden werden zudem krampflösende und schmerzlindernde Medikamente verschrieben.

Medikamentöse Behandlung bei starken Beschwerden

Kommen zu den lästigen Begleiterscheinungen wie Brennen beim Wasserlassen und vermehrter Harndrang aber auch Unterleibskrämpfe oder Schmerzen im Bereich der Nieren hinzu, ist eine medikamentöse Behandlung unumgänglich. Auch wer Blut im Urin findet, sollte die Ursache so bald wie möglich ärztlich abklären lassen.

Harnwegsinfekt nicht unbehandelt lassen

Unbehandelt breitet sich ein Harnwegsinfekt leicht aus. So gelangen Keime durch Harnleiter und Blase nach oben in die Nieren. Eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) macht sich durch Symptome wie Fieber, Schüttelfrost und starke Flankenschmerzen bemerkbar. Sie verläuft in den meisten Fällen weit dramatischer als eine Infektion der unteren Harnwege. Wird ein verschleppter Infekt der oberen Harnwege dann nicht mehr rechtzeitig durch Antibiotika gestoppt, drohen im schlimmsten Fall Blutvergiftung (Sepsis) und Nierenversagen.

Harnwegsinfekt beim Mann

Dass Frauen viel öfter betroffen sind, darf Männer nicht völlig in Sicherheit wiegen. Zwar verlaufen Harnwegsinfekte bei ihnen in der Regel schwächer oder machen gar keine Beschwerden. Genau deshalb sollte man(n) mit Symptomen wie Brennen beim Wasserlassen und blutigem Urin unbedingt zum Arzt. Denn dahinter könnten sich auch ernste Erkrankungen wie ein Prostatakarzinom oder Blasenkrebs verbergen. Männer, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, leiden häufiger an Harnwegsinfektionen, da eine vergrößerte Prostata das Entleeren der Blase erschwert. Der verbleibende Restharn begünstigt das Wachstum und die Verbreitung von Keimen. Auch angeborene Anomalien der Harnröhre können einen Harnstau und damit chronische Entzündungen verursachen.

Frauen bekommen häufig Harnwegsinfekt

Frauen bekommen weit häufiger Harnwegsinfekte als Männer. Da ihre Harnröhre kürzer ist, beträgt der Abstand zum Darmausgang nur wenige Zentimeter. Kommt beim Toilettengang eine falsche Wischtechnik hinzu, haben körpereigene Darmbakterien leichtes Spiel über die Harnröhre in die Blase zu gelangen (Schmierinfektion). Auch Pilzinfektionen der Scheide und die Einnahme bestimmter Medikamente erhöhen das Infektionsrisiko. Etwa jede dritte Frau hatte schon einmal eine Blasenentzündung.

Diabetikerinnen doppelt so häufig betroffen

Diabetikerinnen sind doppelt so häufig betroffen wie Nicht-Diabetikerinnen. Das liegt an der Störung des Zuckerstoffwechsels, der die Schleimhäute verändert und deren Keimabwehr schwächt. Deshalb kann sie potentiellen Krankheitserregern kaum Widerstand bieten.

Schwangere und Kleinkinder

Auch Schwangere und Kleinkinder leiden aufgrund des veränderten Stoffwechsels bzw. der schwächeren Immunabwehr häufiger unter Harnwegsinfekten und sollten in jedem Fall sofort zum Arzt.

Verhütungstechniken vergrößern das Infektionsrisiko

Manche Verhütungstechniken vergrößern das Infektionsrisiko. Ähnlich wie ein Blasenkatheder kann ein Scheidenpessar oder Diaphragma die Schleimhaut reizen und damit die Infektionsgefahr erhöhen.

Chlamydien als Auslöser von Harnwegsinfekt

Chlamydien kann Auslöser von Harnwegsinfekten sein. Daher ist es wichtig, das der Partner der betroffenen Frau auch behandelt wird. Selbst wenn der Mann keinerlei Beschwerden hat, könnte er seine Partnerin beim nächsten Mal wieder anstecken. Da sich die Keime bei ihr rasch ausbreiten, kann eine unbehandelte Chlamydien-Infektion nicht nur Eileiter und Gebärmutter betreffen, sondern auch zur Entzündung der Harnröhre führen.

Vorsicht bei erhöhter Temperatur

Ist dagegen die Körpertemperatur erhöht und treten Schmerzen im Unterbauch, im Dammbereich oder an den Flanken auf, haben die Keime bereits die oberen Harnwege infiziert. Dann ist dringend abzuklären, ob es sich um eine Nierenbeckenentzündung oder beim Mann um eine Entzündung der Vorsteherdrüse (Prostatitis) handelt. Leider können typische Symptome bei älteren Menschen und Diabetikern fehlen. Umso wichtiger ist im Zweifelsfall die rechtzeitige Untersuchung des Urins.

Urinprobe zuhause entnehmen

Wenn eine Urinprobe zuhause genommen werden muss, sollte man auf die richtige Uhrzeit achten. Am besten sollte der Mittelstrahl-Urin morgens nach dem Aufstehen beim ersten Wasserlassen aufgefangen werden. Hat man kein steriles Gefäß vom Arzt bekommen, nimmt man ein Marmeladenglas, legt es geöffnet in kochendes Wasser und stellt es zum Auskühlen auf ein sauberes Handtuch.

Harnwegsinfekt kann man vorbeugen

Die meisten Infektionen der Harnwege werden durch körpereigene Darmbakterien verursacht. Beachtet man einige Regeln zur Vorbeugung, lassen sie sich verhindern oder zumindest abschwächen. Die beste Prophylaxe gegen Harnwegsinfekte besteht aus einem Bündel an Maßnahmen. Mit folgenden 7 Tipps kann Blasenentzündungen zum Großteil vorgebeugt werden.

Harnwegsinfekt vorbeugen Tip 1: Ausreichend trinken

Ausreichend trinken für eine Harnwegsinfekt-Prophylaxe ist oberstes Gebot, um mögliche Keime mit dem Urin auszuschwemmen. Normalerweise sollte man täglich mindestens zwei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Menschen mit Nierenschwäche oder Nierenerkrankungen müssen die richtige Menge mit ihrem Arzt abklären.

Harnwegsinfekt vorbeugen Tip 2: Pflanzliche Mittel

Wer Harnwege, Nieren und Blase auf natürliche Weise stärken möchte, kann Kürbiskerne knabbern, Kräutertees mit Goldrute und Bärentraube oder Cranberrysaft trinken. Zwar sind wissenschaftliche Studien zur Wirkung von pflanzlichen Mitteln recht widersprüchlich, jedoch sollte man die breite Verträglichkeit und schonende Wirkung nicht außer Acht lassen.

Harnwegsinfekt vorbeugen Tip 3: After richtig wischen

Mädchen und Frauen sollten sich von klein auf das richtige Verhalten auf der Toilette angewöhnen. Nach dem Stuhlgang ist der After stets von vorne nach hinten abzuwischen. Die umgekehrte Richtung begünstigt Schmierinfektionen.

Harnwegsinfekt vorbeugen Tip 4: Auf Hygiene, Nässe und Zugluft achten

Auf fremden WCs setzt man sich besser nicht hin. Beim Sport, am Strand, im Schwimmbad oder in der Sauna gilt: Verschwitzte oder nasse Badebekleidung sofort ausziehen und den Körper gut abtrocknen. Auch nasse Socken, Strümpfe und Schuhe sind so bald wie möglich zu wechseln, da nasse und kalte Füße bei vielen Frauen zu Harnwegsinfekten führen. Vor Zugluft beim Fahrrad- und Motorradfahren schützt entsprechende Kleidung oder ein Nierengurt.

Harnwegsinfekt vorbeugen Tip 5: Nachdem Sex Blase leeren

Um Infektionen beim Sex vorzubeugen, entleert man die Blase möglichst gleich nach dem Geschlechtsverkehr. Einige Frauen scheinen sehr anfällig für Blasenentzündungen nach dem Sex zu sein. Nichtsdestotrotz sollten alle Frauen auf hygienische Regeln achten und darauf bestehen. Dazu gehört auch das Waschen des Gliedes des Mannes, wenn nach dem Analsex zum Vaginalsex gewechselt wird.

Harnwegsinfekt vorbeugen Tip 6: Richtige Intimpflege

Während der Periode sollten Frauen ganz besonders auf die richtige Hygiene achten und Tampons oder Binden häufig wechseln, um Keimen den Nährboden zu entziehen. Am besten wird der Intimbereich immer nur mit lauwarmem Wasser und milden Zusätzen gereinigt. Normale Seifen, basische Duschgels oder Lotionen zerstören den Säureschutzmantel der Haut, was Infektionen begünstigt.

Fazit Harnwegsinfekt

Harnwegsinfekte gehören zu den häufigsten Erkrankungen und sollte keine Panik bei Betroffenen auslösen. Zwar sind Harnwegsinfekte sehr unangenehm, heilen mit der entsprechenden Behandlung aber meist rasch und komplikationslos aus.