Lewy-Körperchen-Demenz: Schleichende Erkrankung

Lewy-Koerperchen-Demenz

Die Lewy-Körperchen-Demenz wird bei ca. 15 Prozent aller Demenzkranken diagnostiziert und ist damit die zweithäufigste Form der Demenz. Lesen Sie hier, was die Ursachen und Symptome für diese Erkrankung sind.

Die Lewy-Körperchen-Demenz tritt mit seinen ersten Symptomen erst in hohem Alter auf. Genauer gesagt, beginnt diese Demenzform mit Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen.

Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz

Die Lewy-Körperchen-Demenz wird bei 10 bis 15 Prozent aller Demenzkranken diagnostiziert und ist damit die zweithäufigste Form der Demenz. Die ersten Symptome treten in aller Regel nach dem 65. Lebensjahr auf. Neben einer voranschreitenden Gedächtnisstörung zeigen sich bei den Betroffenen psychotische Symptome und/oder Bewegungseinschränkungen wie beim Morbus Parkinson sowie Schwankungen der geistigen Fähigkeiten und Wachheit im Verlauf des Tages.

Leitsymptome der Lewy-Körperchen-Demenz:
Starke Schwankungen der Aufmerksamkeit
Stark eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit
Wiederkehrende visuelle Halluzinationen
Leichte Parkinsonsymptome wie Steifigkeit der Gliedmaßen

Die Ausprägung der Symptome kann stark schwanken

Dabei treten nicht immer alle Symptome auf. Für die Demenzform sind starke Schwankungen in der Symptomatik typisch. So kann es sein, dass die Betroffenen an einigen Tagen vollkommen gesund wirken, an anderen Tagen hingegen stark beeinträchtigt. Dies gilt insbesondere für die Gedächtnisleistung und die geistige Leistungsfähigkeit. Sie haben Schwierigkeiten, Familienmitglieder oder eigentlich bekannte Gegenstände zu erkennen. Auch im Tagesverlauf zeigen viele Betroffene auffällig schnelle Veränderungen in ihrer geistigen Fähigkeit und Wachheit. Die Reaktionen sind verlangsamt und einfache Aufgaben bereiten Probleme.

Visuelle Halluzinationen schon früh im Verlauf

Darüber hinaus leiden viele Betroffene der Lewy-Körperchen-Demenz bereits früh im Verlauf an anhaltenden und wiederkehrenden visuellen Halluzinationen. Diese sind häufig sehr detailreich. Zumeist sehen die Betroffenen Menschen oder größere Tiere, sehr selten wird aber auch von akustischen Halluzinationen wie Stimmen, Musik oder Geräuschen berichtet.

Parkinson-Symptome zumeist leicht ausgeprägt

Bereits im Vorfeld der Beeinträchtigungen der Hirnleistung können motorische Störungen auftreten. Diese ähneln denen bei Morbus Parkinson, weshalb auch von Parkinson‘schen Symptomen gesprochen wird. Die Muskeln sind steif (Rigor) und die Bewegungsabläufe wirken zähflüssig, weil der Körper verzögert auf Bewegungsabsichten reagiert (Akinese). Auch die Ausdrucksbewegungen des Gesichts (Hypomimie) können immer stärker eingeschränkt sein.

Bewusstseinsverluste und Stürze

Zudem können häufig Stürze durch kurze Bewusstseinsverluste (sogenannte Synkopen) beobachtet werden. Diese Bewusstseinsverluste treten infolge einer unzureichenden Versorgung des Gehirns mit Blut auf. Charakteristischerweise zeigen die Betroffenen von Lewy-Körperchen-Demenz oftmals Schlafstörungen. Das liegt am starken nächtlichen Harndrang oder aufgrund ausgeprägter Bewegungen während des Schlafs (fehlende motorische Hemmung). Nicht selten wird eine Lewy-Körperchen-Demenz auch von einer Depression begleitet.

Ursachen für Lewy-Körperchen-Demenz

Bei der Lewy-Körperchen-Demenz finden sich neben den charakteristischen Merkmalen des Morbus Alzheimer Einschlusskörper – sogenannte Lewy-Körperchen – in den Nervenzellen der Großhirnrinde und des Hirnstamms. Diese Einschlusskörper wurden nach ihrem Entdecker – dem deutschen Nervenarzt Friedrich H. Lewy – benannt, der diese erstmals im Zusammenhang mit Parkinson beobachtete. Die Einschlusskörperchen sind anormale Eiweißansammlungen (sogenannte Proteinaggregate), die unter anderem die Bildung des Neurotransmitters Dopamin hemmen. Dadurch kommt es zu den für die Parkinson-Erkrankung typischen Symptomen. Seit 1989 ist bekannt, dass diese Lewy-Körperchen auch bei demenziellen Erkrankungen wie der Lewy-Körperchen-Demenz auftreten. Welche Faktoren schließlich zur Bildung der Lewy-Körperchen führen, ist bislang nicht bekannt. In einigen wenigen Familien kann die Erkrankung auf bestimmte Veränderungen im Erbgut zurückgeführt werden. Hierbei sind die gleichen Gene betroffen, bei welchen Mutationen zur Entwicklung des klassischen Morbus Parkinson führen. Hierzu gehört vor allem das die Dopaminausschüttung regulierende Protein α-Synuclein. α-Synuclein wird eine toxische Wirkung auf die bei Parkinson und wahrscheinlich auch Lewy-Körperchen-Demenz betroffenen Nervenzellen nachgesagt.

Medikamentöse Therapie bei Lewy-Körperchen-Demenz

Wie bei den meisten anderen Demenzformen können die Prozesse, die letztendlich zum Verlust der Nervenzellen führen, auch bei der Lewy-Körperchen-Demenz nicht gestoppt, sondern lediglich gehemmt werden. Es wird davon ausgegangen, dass die psychotischen Symptome (Halluzinationen) unter anderem eine Folge eines starken Acetylcholin-Mangels im Gehirn sind. Acetylcholin gilt als einer der wichtigsten Botenstoffe (Neurotransmitter) des menschlichen Organismus. Um diesen Mangel an Acetylcholin und somit die psychotischen Symptome abzumildern, kann das Enzym, das Acetylcholin abbaut, medikamentös gehemmt werden. Zur Verfügung stehen hier sogenannte Cholinesterasehemmer wie Donepezil, Rivastigmin und Galantamin. Können die psychotischen Symptome durch die Cholinesterasehemmer nicht verbessert werden, können auch Neuroleptika wie Clozapin und Quetiapin zum Einsatz kommen. Diese werden im Gegensatz zu den meisten anderen Neuroleptika in aller Regel von den Betroffenen vertragen.

Therapie der Parkinson-Symptome ist schwierig

Die Behandlung der Parkinson-Symptome ist dagegen schwierig, da durch die üblichen Antiparkinsonmedikamente häufig die psychotischen Symptome verstärkt werden. Gleichzeitig sprechend die von einer Lewy-Körperchen-Demenz Betroffenen schlechter auf diese an. Sollte zudem zusätzliche eine Depression vorliegen, können sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (u. a. Citalopram) angewandt werden. Die Behandlung einer Lewy-Körperchen-Demenz ist insgesamt schwieriger als bei anderen Demenz-Formen. Dies liegt unter anderem daran, dass die genannten Medikamente nicht für die Therapie dieser Demenzform zugelassen sind und daher nur individuell im sogenannten „off-label-use“ eingesetzt werden können. Dies bedeutet, dass Ihr Arzt nur in begründeten Einzelfällen die Medikamente verordnen kann.

Die nicht-medikamentöse Therapie

Die nicht-medikamentöse Therapie ähnelt der bei der Alzheimer-Demenz und setzt sich vor allem aus Verhaltenstherapie, Hirnleistungstrainings, emotionsorientierten Ansätzen, Biografiearbeit sowie Kunst- und Musiktherapie zusammen. Auch umgebungsbezogene Ansätze wie Anpassung des Wohn- und Lebensbereiches des Betroffenen, Schulung von Pflegepersonal und pflegenden Angehörigen sowie Unterstützung der Angehörigen durch Selbsthilfegruppen spielen eine Rolle.

Verlauf der Demenz mit Lewy-Körperchen

Die Lewy-Körperchen-Demenz ist unheilbar. Nach der Diagnosestellung leben die Betroffenen im Durchschnitt zwischen sieben und acht Jahren. Wie bei den anderen Demenzformen verlieren die Betroffenen nach und nach die Fähigkeit, im Alltag allein zurecht zu finden. Während sich bereits früh Halluzinationen zeigen, ist die Gedächtnisfunktion zu Beginn nur gering beeinträchtigt und die Sprachfähigkeit erst mit weiten Fortschritt der Erkrankung betroffen. Die Betroffenen werden zunächst immobil, im späteren Verlauf bettlägerig. Im Endstadium zeigen sich Schluckbeschwerden. Die meisten Betroffenen versterben an einer Lungenentzündung.

Abgrenzung zu anderen Demenzformen

Alle Demenzformen sind durch einen alltagsrelevanten erworbenen Verlust der intellektuellen Fähigkeiten gekennzeichnet. Dabei zeigen sich eine fortschreitende Störung des Gedächtnisses sowie weiterer Hirnfunktionen. Dies können sogenannte instrumentelle (u. a. Sprachlosigkeit) oder exekutive (u. a. Apathie, Verlangsamung, Enthemmung) Hirnfunktionen sein. Die Lewy-Körperchen-Demenz ist die am schwierigsten zu diagnostizierende Demenzform. Das liegt zum Teil auch daran, dass sie Ähnlichkeiten mit Alzheimer und Parkinson aufweist und mit diesen nicht selten verwechselt wird.

Alzheimer, vaskuläre Demenz und Lewy-Körperchen-Demenz überlappen sich

Das klinische Bild der Lewy-Körperchen-Demenz ähnelt dem Morbus Alzheimer, der häufigsten Demenzform (50–75 Prozent). Nicht selten wird eine Lewy-Körperchen-Demenz von einem Parkinson-Syndrom (hypokinetisch-rigides-Syndrom) als Folge der Demenz begleitet. Tritt die Demenz dagegen erst mehr als ein Jahr nach Diagnosestellung der Parkinson-Erkrankung auf, sprechen Mediziner von einem „Morbus Parkinson mit Demenz“. Die dritthäufigste Demenzform – die vaskuläre Demenz – wird durch Durchblutungsstörungen im Hirn ausgelöst und zeichnet sich insbesondere durch ihren schleichenden Beginn mit zumeist schrittweiser Verschlechterung des Symptombilds aus. Die drei häufigsten Demenzformen überlappen sich zum Teil, weshalb bei etwa 10 Prozent aller Betroffenen Mischformen beobachtet werden können. Eine weitere Demenzform – die frontotemporale Demenz – ist von diesen drei Formen insbesondere durch die mit ihr einhergehenden Persönlichkeits- Wesensveränderungen abgrenzbar.