Das Pessar – Alternative zu Einlagen für Frauen?

Pessar für Frauen mit Inkontinenz

Das Pessar wurde speziell für Frauen entwickelt und lindert Beschwerden einer Harninkontinenz. Wie sie wirken und ob sie eine Alternative zu Einlagen sind, erfahren Sie hier.

Was ist ein Pessar?

Ein Pessar ist als Schale, Ring oder Würfel erhältlich und besteht aus nicht-allergenem und körperverträglichem Naturkautschuk, Kunststoff oder Silikon. Mithilfe des Pessars lassen sich nicht nur der ungewollte Harnverlust, sondern auch verschiedene Grade einer Gebärmutter- oder Scheidensenkung therapieren. Nicht zu verwechseln ist das Pessar bei Belastungsinkontinenz mit dem Verhütungsmittel Diaphragma – beide Begriffe werden häufig synonym verwendet.

Für wen ist ein Pessar geeignet?

Pessare sind vor allem für Patientinnen mit leichter Inkontinenz (Blasenschwäche) empfehlenswert. Zudem geniessen Frauen mit leichter Gebärmutter- und Scheidensenkung die Vorteile, wenn sie keine operative Therapie wünschen. Das trifft häufig auf jüngere Frauen zu, die über leichte Senkungsbeschwerden klagen.

Pessare geeignet für:

  • Frauen mit leichter (Belastungs-)Inkontinenz
  • Frauen mit geringer Gebärmuttersenkung
  • Frauen mit leichter Scheidensenkung

In welchen Situationen verwendet man Pessare?

Pessare werden dauerhaft oder tageweise von Frauen getragen. Sie können sie beispielsweise beim Sport und Yoga verwenden oder wenn während einer Erkältung beim Niesen und Husten besonderer Bedarf besteht. Außerdem eignen sich Pessare auf Reisen und wenn eine Abneigung gegen Inkontinenzeinlagen besteht. Schließlich kann man sagen, dass Pessare immer dann geeignet sind, wenn das Tragen von Inkontinenzeinlagen ungeeignet oder nicht erwünscht ist.

Pessare geeignet bei:

  • Sport und Yoga
  • auf Reisen
  • Wellness- und Badeaufenthalt
  • situationsbedingte Inkontinenz
  • bei Abneigung gegen Einlagen

Welche Vorteile bieten Pessare?

Pessare bieten vor allem jüngeren Frauen und bei situationsbedingter Inkontinenz viele Vorteile. Denn Anwenderinnen können sie wiederverwenden und müssen viel weniger wechseln. Zudem sind sie absolut diskret, da sie den Harnverlust verhindern statt aufzufangen. Schließlich sind Pessare eine wunderbare Alternative bzw. Ergänzung zu Inkontinenzmaterial.

Vorteile von Pessaren:

  • wiederverwendbar
  • weniger oft wechseln
  • absolut diskret
  • sofortige Wirkung

Wie führt man Pessare ein?

Mithilfe eines Gleitmittels können Frauen das Pessar in die Vagina einführen. Vor jedem Einsetzen sollten Frauen präventiver Weise die Hände waschen. Das Einführen des Pessars gestaltet sich von Frau zu Frau anders: Manche gehen in die Hocke oder stellen ein Bein hoch, anderen wiederum fällt es leichter, die Einlage im Liegen einzuführen. Nach dem Entfernen sollte das Pessar nur mit klarem Wasser oder einer sanften Intim-Lotion gereinigt werden. Mit ein bisschen Übung ist die Handhabung der Hilfsmittel schnell erlernbar.

Wie genau wirkt ein Pessar?

Sobald das Pessar in der Vagina eingeführt worden ist, erzeugt es einen Druck gegen die Scheidenwand. Dann ermöglicht dieser Druck eine Hebung des Harnleiters und führt dadurch zur Kontinenz. Denn das Pessar stützt Harnröhre und Blase bei körperlicher Aktivität. Nach dem Entfernen kann man das Hilfsmittel wiederverwenden.

Verschiedene Pessarformen

Den betroffenen Frauen stehen unterschiedliche Pessarformen zur Verfügung:

  • Schalen- und Ringpessar
  • Würfelpessar
  • Pelotten-Pessar
  • Conti-Ring
  • Schaumstoff-Pessar
  • Hartgummi-Schalenpessar

Schalen- und Ringpessar bei Inkontinenz

Schalen- oder Ringpessare werden von einem Facharzt oder von der Patientin selbst eingesetzt. Setzt der Gynäkologe eine dauerhafte Einlage ein, wird er diese auch regelmäßig, also alle sechs bis acht Wochen erneuern. Die Wechseltermine beim Arzt oder das tägliche, selbstständige Wechseln müssen unbedingt eingehalten werden, damit keine Entzündungen entstehen können. Moderne, medizinische Pessare lassen sich außerdem zusammendrücken oder knicken, wodurch das Einführen erleichtert wird.

Pessargröße beachten

Frauen können zwischen unterschiedlichen Ausführungen wählen und darüber hinaus auch die passende Größe. Stärken betroffene Frauen die Haltemuskulatur des Beckenbodens beispielsweise zusätzlich durch die passende Beckenbodengymnastik, können sie auf eine kleinere Größe zurückgreifen. Im Beratungsgespräch mit dem behandelnden Arzt erfahren Patientinnen außerdem, welche Größe sie benötigen. Sollte das Hilfsmittel zu klein sein, lässt es sich nicht fixieren. Ist es hingegen zu groß, kann es beim Wasserlassen stören oder gar Schmerzen verursachen. Prinzipiell sollte immer die kleinstmögliche Form gewählt werden und trotzdem beim Pressen oder Husten nicht verrutschen.

Wie erfolgreich wirken Pessare?

Pessare stellen eine Symptomlinderung und keine Heilung in dem Sinne dar. Nichtsdestotrotz kann das Pessar den Harnabgang verringern oder gänzlich verhindern. Wird das Pessar ordnungsgemäß eingesetzt, unterstützt es eine Therapie dauerhaft oder für wenige Monate. Ob eine Pessar-Therapie dabei erfolgreich verläuft, hängt vom regelmäßigen Wechsel sowie einer perfekten Anpassung ab. Nach der fachkundigen Anleitung durch einen Spezialisten sollen betroffene Frauen sich selbst behandeln können.

Pessare auf Rezept

Prinzipiell sind Pessare bei Inkontinenz zugelassene medizinische Hilfsmittel, deren Kosten von gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt und Ihrer Krankenkasse beraten. Wichtig ist, dass der Vermerk der Diagnose auf dem ausgestellten Rezept korrekt ist.

Pessare bei Gebärmuttersenkung

Wenn der Frauenarzt bei Patientinnen eine abgeknickte Harnröhre aufgrund einer Scheidensenkung feststellt, wird häufig ein Pessar verschrieben. Denn Pessare halten die Gebärmutter an ihrem vorgesehenem Platz. Dadurch werden unangenehme Begleiterscheinungen der Gebärmuttersenkung wie beispielsweise das Druckgefühl in der Scheide oder den ungewollten Harnverlust vermeiden. Die Pessar-Therape ist zwar nicht in der Lage, die bestehende Senkung rückgängig zu machen, aber es kann eine weitere Senkung aufhalten. Für Frauen mit einer körperlich schwachen Kondition sowie für ältere Frauen, für die eine Operation nicht in Frage kommt, bildet die Pessar-Therapie eine sinnvolle Alternative.

Schalen- und Ringpessar bei Senkungsbeschwerden

Schalenpessare und Ringpessare für Senkungsbeschwerden empfehlen sich für ältere Anwenderinnen, die entweder keine Operation möchten oder bei denen aufgrund eines erhöhten Operationsrisikos eine Operation nicht möglich ist. Pessare bei Senkungsbeschwerden gibt es zum Selbstwechseln. Auch gibt es spezielle Ausführungen, die der behandelnde Arzt alle 6 bis 8 Wochen austauscht.

Würfelpessare bei Senkungsbeschwerden

Würfelpessare halten härteren Druck stand, wohingegen Schalen- oder Ringpessare eher bei einer leichten Gebärmuttersenkung verwendet werden. Ferner gibt es Würfelpessare zum Selbstwechseln und diejenigen, die vom Arzt ausgetauscht werden. Das Besondere an Würfelpessaren ist die Saugfunktion. Denn sie saugen sich an der Scheidenwand fest und unterstützen so das Gewebe.

Frauen in der Menopause

Unabhängig vom jeweiligen Pessar-Typ ist es für Frauen in der Menopause empfehlenswert, dass sie regelmäßig hormonhaltige Scheidenzäpfchen oder spezielle Cremes verwenden. So lassen sich Druckgeschwüre vorbeugen.

Nachteile von Pessaren

Pessare beheben die Belastungsinkontinenz bzw. Senkungsbeschwerden nur vorübergehend. Bei längerer Verwendung besteht außerdem stets die Möglichkeit, dass sich Druckgeschwüre bilden. Sollte sich die Inkontinenz zudem verschlimmern, ist die Pessar-Therapie oft nicht mehr ausreichend.

Fazit Pessar bei Inkontinenz

Ist das Pessar nun eine echte Alternative zu Inkontinenzeinlagen? Jein! Denn Pessare können realistisch gesehen nicht vollständig das Tragen von Inkontinenzeinlagen ersetzen. Das liegt daran, dass sie nicht für alle Frauen und nicht für jede Inkontinenzformen geeignet sind. Daher empfiehlt sich jede Frau und jede Inkontinenz-Situation einzeln zu betrachten und abzuwägen. In jedem Fall kann das Pessar situationsbedingt Inkontinenzeinlagen ersetzen. Davon profitieren vor allem jüngere Frauen, die beispielsweise beim Sport und Baden keine Einlagen verwenden möchten. Abschließend kann man sagen, dass Pessare in jedem Fall eine sehr gute Ergänzung zu Inkontinenzmaterial sind. Sofern eine leichte Belastungsinkontinenz und eine intakte Scheidengesundheit vorliegt.