Expertentipp #2 – Stuhlinkontinenz

Expertentipp 2 - Stuhlinkontinenz Windeln

In unserer Reihe “Expertentipp” erklärt ein Experte hilfreiche Tipps zu Inkontinenz und Pflege von Bedürftigen. Im heutigen Teil beantwortet Frau Manuela Busse, Arzthelferin und Inkontinenzexpertin, Fragen zu Stuhlinkontinenz und was Sie tun können.

Stuhlinkontinenz Windeln sind die erste Maßnahme bei Stuhlinkontinenz. Am häufigsten tritt sie alters- und krankheitsbedingt auf. Aber es können verschiedene Ursachen zu Stuhlinkontinenz führen. Viele Betroffene empfinden Scham darüber Sie neigen dann dazu, weniger unter Menschen zu gehen, aus Angst, sich zu blamieren. Die Folgen sind Isolation und Vereinsamung, was vor allem im Alter verheerend sein kann.

Inkontinenz Ratgeber INSENIO:
Frau Manuela Busse, was können Betroffene tun, um souveräner mit der Stuhlinkontinenz umzugehen?

Frau Manuela Busse:
Zu allererst sollen die Betroffenen sich darüber im Klaren sein, dass es vielen Menschen so geht wie ihnen. Von Stuhlinkontinenz sind viele Männer, Frauen und sogar Jugendliche dauernd oder zeitweise betroffen. Zum Glück gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten und Hilfsmitteln, die helfen, wieder etwas mehr Unbeschwertheit und Freiheit im Alltag zurückzugewinnen.

Was genau sind das für Möglichkeiten? Wie können Betroffene die Stuhlinkontinenz besser in den Griff bekommen?
Es gibt eine ganze Palette vorbeugender Maßnahmen. Zum einen kann man saugstarke Vorlagen tragen oder besser noch spezielle Einlagen für Stuhlinkontinenz. Darüber hinaus können Betroffene Inkontinenzslips, also Windeln, verwenden. Windelhosen, auch Pants genannt, sind leider wenig geeignet. Denn bei Stuhlinkontinenz ist regelmäßige gründliche Hautpflege sehr wichtig. Man sollte also darauf achten, das Inkontinenzprodukt, also Vorlage, Einlage oder Slips, rechtzeitig zu wechseln. Das ist bei Windelhosen nicht so einfach. Hygiene ist ein absolutes Muss. Die Maßnahmen sollten individuell an die Art der Stuhlinkontinenz angepasst werden.

Manuela Busse rät: “Gründliche Hautpflege bei Stuhlinkontinenz ist absolut wichtig.”

Welche Vorlagen und Slips können sie empfehlen?
Das Inkontinenzprodukt San Seni Alvi ist empfehlenswert. Das sind Vorlagen, die den Po großflächig abdecken. Dazu sollte man eine geeignete Netzhose bzw. Fixierhose tragen, sie hält die Einlage an Ort und Stelle. Bewährt hat sich dabei das Fixierhöschen MoliCare Premium Fixpants. Der eine oder andere kennt sie vielleicht von einem Krankenhausaufenthalt.

Grundsätzlich ist jede konventionelle Inkontinenzvorlage mit hoher Saugkraft auch gut bei Stuhlinkontinenz geeignet. Auch Inkontinenzslips (Windeln) mit hoher Saugkraft sind empfehlenswert, beispielsweise MoliCare Premium Slip Maxi. Sie sind vom Material und der Verarbeitung her sehr hochwertig und zuverlässig. Eine günstigere Variante wären die MoliCare Slip Maxi. Sie werden vom selben Hersteller angeboten. Diese Windeln sind ein wenig einfacher verarbeitet, sind dafür aber auch preiswerter. Sorgen um die Qualität muss man sich dabei nicht machen – diese Produkte sind genauso saugstark und zuverlässig wie die teuerere Variante.

Wie sieht es aus mit Pants bzw. Windelhosen für Stuhlinkontinenz? 
Von Windelhosen würde ich abraten, weil sie je nach Art der Stuhlinkontinenz nicht immer das richtige Produkt sind.

Eine diskretere Möglichkeit, den Folgen der Stuhlinkontinenz vorzubeugen, sind Analtampons. Was halten sie davon?
Über Analtampons gibt es in den Fachkreisen unterschiedliche Meinungen. Einerseits kann man durch Analtampons seinen Stuhlgang halbwegs wieder selbst steuern. Andererseits befürchten Ärzte und Fachkräfte eine Infektion. Denn der Stuhl soll nicht zu lange im Enddarm verbleiben. Außerdem, wer den Stuhl zu lange zurückhält, riskiert eine Überdehnung des Darms, was eine Verschlimmerung der Stuhlinkontinenz zu Folge haben kann.

Als Abschluss kann ich jeden Betroffenen nur raten sich kompetent beraten zu lassen. Was im Endeffekt für einen Betroffenen das richtige Produkt ist, kann nur im Rahmen einer persönlichen und direkten Fachberatung geklärt werden. Diese Beratung können Ihnen Pflegefachkräfte oder auch Produktexperten anbieten.

Manuela Busse
Manuela Busse, Arzthelferin und Inkontinenzexpertin

Frau Manuela Busse ist Arzthelferin (medizinische Fachangestellte) und Inkontinenzexpertin. Sie hat über 30 Jahre Berufserfahrung in der Pflege – ambulant als auch vollstationär. Als Inkontinenzexpertin berät sie Betroffene, Angehörige und Familien.

Lassen auch Sie sich von Produktexperten beraten und rufen Sie das Team von Inkontinenz-Fachkräften an unter 030/20 62 176 100 oder schreiben Sie uns an service@insenio.de.

Stuhlinkontinenz ist weit verbreitet

Stuhlinkontinenz ist weiter verbreitet als man meint. Denn etwa 4 Millionen Betroffene gibt es allein in Deutschland. Wobei Stuhlinkontinenz in jedem Alter auftreten kann. Altersbedingte Bindegewebsschwäche und der Abbau der Beckenmuskulatur begünstigt Stuhlinkontinenz teilweise erheblich, sodass die Symptome in der Regel bei Menschen über 35 Jahren auftreten.

Die Symptome unterscheiden sich

Die Symptome unterscheiden sich nach der Art der Stuhlinkontinenz. Bei der Dranginkontinenz wird der Stuhldrang zwar wahrgenommen, der Abgang erfolgt aber dann so rasch, dass die betroffene Person es manchmal nicht rechtzeitig zur Toilette schafft. Die sensorische Inkontinenz verhindert das Wahrnehmen eines Stuhldrangs, die Betroffenen spüren im Analbereich nichts. Auch können sie die Darmentleerung nicht mehr bewusst steuern, die daher unwillkürlich erfolgt.

Drei Schweregrade der Stuhlinkontinenz

Es werden drei Schweregrade unterschieden.

1. Grad: gelegentliches Stuhlschmieren unter Belastung, unkontrollierter Abgang von Luft
2. Grad: unkontrollierter Abgang von dünnem Stuhl und Darmgasen
3. Grad: totaler Kontrollverlust über jede Darmentleerung, ständiges Stuhlschmieren

Stuhlinkontinenz Windel

Es gibt auf dem Markt sehr viele Produkte zur Versorgung bei Harn- und/oder Stuhlinkontinenz. Deren Materialien, das Aussehen und die Leistungsfähigkeit entsprechen modernen Ansprüchen und senken dadurch die Hemmschwelle für ihre Anwendung deutlich. Dazu gehören hauptsächlich Stuhlinkontinenz Windeln, also Inkontinenzmaterial. Auch sind in manchen Situationen Analtampons geeignet. Sie bewirken eine temporäre Dichtigkeit, wichtig ist nur das regelmäßige Wechseln. Ferner können Pessare hilfreich sein, da sie den Beckenboden unterstützen.

Stuhlinkontinenz Windeln Empfehlungen

Grundsätzlich sollten Betroffene bei starker Stuhlinkontinenz auf Inkontinenzvorlagen und -windeln wie MoliCare Premium Form Extra Plus und Super Seni Trio zurückgreifen. Denn die eingearbeiteten Seitenbündchen fangen effektiv (flüssigen) Stuhl auf. Bei leichter Stuhlinkontinenz eignen sich Inkontinenzeinlagen wie MoliMed Premium Maxi oder auch Windelhöschen wie Seni Active.

Produkttipp: MoliCare Slip Super Plus Stuhlinkontinenz Windeln

Stuhlinkontinenz: Therapie

Die gewählte Therapie richtet sich nach den ermittelten Ursachen der Stuhlinkontinenz. Grundsätzlich kommen eine Ernährungsumstellung, eine Verhaltenstherapie, eine reine Medikation mit Abführmitteln, das Beckenbodentraining inklusive Biofeedback, eine Elektrostimulation und schließlich auch eine Operation am Schließmuskel infrage. Nicht-operative Methoden werden stets bevorzugt eingesetzt, doch manchmal genügen sie nicht.

Expertentipp: Inkontinenzvorlagen richtig anlegen, Fixieren von MoliCare Premium Form

Stuhlinkontinenz Therapien im Überblick:

  • Ernährungsumstellung: Aufnahme ballaststoffreicher Nahrungsmittel, Verzicht auf blähende Speisen, Alkohol und Kaffee
  • Verhaltenstherapie: Steuerung der Toilettengewohnheiten unter anderem durch regelmäßige Zeiten
  • Medikation mit Laxanzien (Abführmitteln) zur Stimulierung des Dickdarms, des Weiteren mit Motilitätshemmern zur Verringerung der Häufigkeit des Stuhlgangs und mit Substanzen zur Verminderung des Wassereinstroms in den Darm

Produkttipp: Super Seni Plus Stuhlinkontinenz Windeln

  • Beckenbodengymnastik: Stärkung der Muskeln im Becken- und Analbereich, empfehlenswert für Frauen nach mehreren Geburten und Patienten mit Bindegewebsschwäche
    Biofeedback: bewusste Wahrnehmung der Schließmuskelspannung, verknüpft mit dem Beckenbodentraining
    Elektrostimulation: Verbesserung der Schließmuskelfunktion durch schwachen Reizstrom, spürbarer Effekt nach einigen Wochen
  • Operationen: Nähen von Verletzungen am Schließmuskel, Rekonstruktion des Schließmuskels mit körpereigenen oder künstlichen Implantaten, sakrale Nervenstimulation durch einen kleinen Schrittmacher, Kolostomie (Anlage einer künstlichen Darmöffnung), endoskopische Prolaps-Operation (Entfernung eines Darmabschnitts nach Enddarm-Vorfall)
    Was bringt die Ernährungsumstellung?

Nicht-invasive Therapien bevorzugt

Patienten wünschen zunächst eine unaufwendige, in jedem Fall nicht-invasive Therapie. Die Ernährungsumstellung und das Beckenbodentraining gelten daher als Mittel der Wahl. Die Ernährungsumstellung lindert eine Stuhlinkontinenz, weil eine falsche Ernährung, Alkohol, Kaffee und auch Rauchen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen auslösen können, die zum Teil für die Stuhlinkontinenz ursächlich sind. Kaffee, Alkohol und viele Speisen können Blähungen verursachen, welche die Stuhlinkontinenz fördern. Diese wiederum verändert den After auf Dauer, was gerade das Stuhlschmieren fördert und einen Teufelskreis in Gang setzt, weil ein ständig mit Stuhl kontaminierter After zu weiteren Entzündungen neigt. Eine Ernährungsumstellung und der Verzicht auf die genannten Drogen unterbricht diesen Prozess, muss aber konsequent durchgehalten werden.

Was bringt das Beckenbodentraining?

Eine zu schwache Beckenbodenmuskulatur kann ebenfalls eine Stuhlinkontinenz auslösen, Frauen sind manchmal nach Geburten davon betroffen. Das Beckenbodentraining stärkt mit speziellen Übungen den Analschließmuskel, der gezielt an- und entspannt werden muss. Die entsprechenden Übungen kann ein Physiotherapeut mit Spezialausbildung vermitteln. Auch Elektroden im After und in der Vagina stärken wieder die Muskulatur, weil die schwachen elektrischen Impulse die Muskeln zusammenziehen und anschließend wieder entspannen. Auf diese Weise erhöht sich sukzessive wieder der Muskeltonus.

Bei Stuhlinkontinenz zum Arzt

Eine frühe Arztkonsultation ist recht entscheidend, um eine schwerwiegende Darmerkrankung zu diagnostizieren oder auszuschließen. Schon die ersten Symptome sind Anlass genug, sich Hilfe vom Fachmann zu holen. Das sind beispielsweise ungewollt freigesetzte Winde und erstes Stuhlschmieren. Geeignete Ärzte sind neben dem Hausarzt auch ein Gynäkologe oder Urologe sowie ein Proktologe (Enddarmspezialist). Stuhlinkontinenz kann auch ein Symptom für Darmkrebs sein, der gar nicht zeitig genug diagnostiziert werden sollte. Wenn er ausgeschlossen wird, sind die Betroffenen oft froh, dass es sich “nur” um eine Schwäche des Schließmuskels und/oder Nervensystems handelt.

Wenn Stuhl- und Harninkontinenz gleichzeitig auftreten

Die Stuhlinkontinenz, die durch eine Beckenbodenschwäche verursacht wird, ist sehr oft mit einer Harninkontinenz verknüpft. Überdurchschnittlich oft sind ältere Menschen betroffen, die sich aus Scham zurückziehen. Das ist falsch, meinen Experten. Das bisherige Leben kann mit der richtigen Behandlung und Versorgung von Stuhlinkontinenz Windeln o.ä. beinahe ohne Einschränkungen weitergeführt werden.

Diagnose bei Stuhlinkontinenz

Zur Basisdiagnostik gehören neben der Erhebung der Vorgeschichte das Austasten des Enddarms und eine Darmspiegelung. Der Arzt befragt Frauen nach dem Verlauf von Geburten und alle Patienten nach früheren Operationen. Zu den Diagnosekriterien gehören die Häufigkeit des Stuhlgangs, die Konsistenz des Stuhls, die Fähigkeit der Verzögerung von Stuhlgang und die Differenzierungsmöglichkeit des Patienten zwischen Stuhl und Luft im Darm. Der Arzt tastet und hört den Bauch ab und sucht nach möglichen Tumoren oder Polypen im Analbereich, wozu neben dem Abtasten auch die Darmspiegelung dient.

Weitere Diagnosemöglichkeiten

Die spezielle Diagnostik erfolgt mit der Endosonografie. Diese Ultraschalluntersuchung ist schmerzlos und dient dem Nachweis von möglichen Verletzungen des Schließmuskels. Dessen Funktion lässt sich mit der ebenso schmerzlosen Analsphinktermanometrie überprüfen. Weitere Diagnoseverfahren sind die anale Manometrie mit einem kleinen Ballon, die Defäkografie mit einem Röntgen-Kontrastmittel und das Elektromyogramm zur Überprüfung der Nervensignale. Letzteres kommt nur in speziellen Fällen zum Einsatz, weil auch die Sonografie und die anale Manometrie entsprechende Ergebnisse liefern.

Ursachen für Stuhlinkontinenz

Die unterschiedlichen Ursachen der Krankheit sind hauptsächlich eine Beckenbodenschwäche und auch Darmträgheit.

Ursachen im Überblick:

  • Schwäche des Schließmuskels und der Beckenbodenmuskulatur (verbreitet bei älteren Menschen)
  • Darmträgheit
  • Anhaltende Verstopfung
  • Funktionsstörungen des Schließmuskels durch Verletzungen, unter anderem nach einer Geburt oder einer Operation
  • Enddarmentzündung (Proktitis)
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
  • Tumor des Enddarms
  • Beeinträchtigung der Nervenwahrnehmung am Darmausgang unter anderem nach einem Schlaganfall oder einer Querschnittslähmung
  • Medikamente wie Antidepressiva, Abführmittel und Parkinson-Medikamente
  • Ausgeprägte Hämorrhoiden
  • Vorfall im Mastdarm oder Enddarm

Fazit Stuhlinkontinenz Windeln

Von Stuhlinkontinenz sind viele betroffen, jung wie alt. Da die Erkrankung sehr unterschiedlich ausgepägt sein kann, sind auch die Ursachen hier sehr facettenreich. Aber mit entsprechenden Hilfsmitteln wie Stuhlinkontinenz Windeln, lässt sich ein Leben mit Qualität und sozialen Kontakten weitesgehend aufrecht erhalten. Neben Inkontinenzartikeln sind andere Therapien wie Ernährungs- und Verhaltensumstellung möglich.