Belastungsinkontinenz – Ursache und Therapie

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Belastungsinkontinenz ist mitunter die häufigste Variante der Harninkontinenz. Ob Sie davon betroffen sind und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Was ist Belastungsinkontinenz?

Die Belastungsinkontinenz ist eine Unterform der Harninkontinenz. Des weiteren basiert sie auf einer Schwächung des Schließmuskels der Blase. Ungeachtet dessen wurde diese Inkontinenzform früher auch als Stressinkontinenz bezeichnet. Aber der heutige Begriff „Belastung“ definiert das Erscheinungsbild stimmiger, denn der Harnabgang findet vor allem unter körperlicher Belastung statt, beispielsweise während des Niesens oder Hustens. Auch das Hochheben eines schweren Gegenstands, das mit einer Erhöhung des Drucks auf die Blase einhergeht, kann ein auslösender Faktor sein. In schweren Fällen verlieren Betroffene Harn bei geringster Belastung, also im Liegen.

Sobald wir beim Niesen, Husten, Heben und Tragen Urin verlieren, spricht der Mediziner von einer Belastungsinkontinenz. Hierbei handelt es sich um eine Form der Harninkontinenz, die auf eine Schwäche des Blasenschließmuskels zurückzuführen ist.

Was sind denn die Symptome einer Belastungsinkontinenz?

Die Schwächung des Blasenschließmuskels führt zu einem Harnverlust, der von Betroffenen nicht mehr willentlich gesteuert werden kann. Das heisst, dass Betroffene dadurch ungewollt Harn verlieren. Allerdings verspüren Betroffene vorab keinerlei oder kaum Harndrang. Vielmehr verliert die Blase unter einer bestehenden körperlichen Belastung Urin, ohne dass der Betroffene davon etwas merkt. Dessen ungeachtet reicht das Ausmaß von wenigen Tröpfchen bis hin zu einer vollständigen Entleerung der Blase.

Symptome der Belastungsinkontinenz Überblick

  • unwillkürlicher Harnverlust
  • kein/kaum Harndrang
  • wenige Tropfen bis vollständige Blasenentleerung

Schweregrad der Erkrankung

Die Medizin unterscheidet bei der Belastungsinkontinenz drei verschiedene Schweregrade. Je nachdem unter wieviel Belastung der Urinverlust eintritt, werden drei Stufen unterschieden.

  • 1. Grad: Harnverlust bei schwerem Heben sowie Husten oder Niesen
  • 2. Grad: Urinverlust bei abrupt stattfindenden körperlichen Bewegungsabläufen
  • 3. Grad: Harnverlust ohne konkreten körperlichen Auslöser (im Liegen)

Welche Therapie und Behandlungsmöglichkeiten?

Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, um eine Belastungsinkontinenz zu behandeln. Je nachdem welche Ursache vorliegt, werden verschiedene Therapiemöglichkeiten angeboten. Auf jeden Fall sollten Betroffene möglichst zeitig einen Arzt aufsuchen, um die Ursache der Erkrankung abklären zu lassen. Schließlich können die Symptome rasch gelindert werden, wenn die Harninkontinenz rechtzeitig behandelt wird. Mit dem Ziel, die Blasen- und Beckenbodenmuskulatur zu kräftigen, kommen viele konservative Behandlungsmethoden zum Einsatz. Obenrein werden diese Therapien mit der Einnahme von Medikamenten kombiniert. Übrigens gehört Beckenbodentraining zu den besten und beliebtesten Therapien. Ungeachtet dessen sollte begleitend zur Therapie stets Inkontinenzmaterial wie Einlagen oder Windelhosen getragen werden.

Inkontinenzartikel tragen

Vielfach werden sogenannte Inkontinenzprodukte verwendet, die in Abhängigkeit der persönlichen Inkontinenzstufe eingesetzt werden. Genauer gesagt ist das Ausmaß der Ausscheidungsmenge der Belastungsinkontinenz hierbei maßgeblich für das passende Produkt. Bei den Hilfsmitteln werden Inkontinenzeinlagen, Inkontinenzvorlagen, Inkontinenz-Slips und Inkontinenz-Pants angeboten. Wobei Einlagen und Vorlagen zu den offenen Systemen zählen und für leichten und mittleren Harnverlust geeignet sind. Dahingegen sind Slips und Pants Teil eines geschlossenen Versorgungssystems und werden von Menschen mit stärker ausgeprägtem Harnverlust genutzt.

Beckenbodentraining gegen Belastungsinkontinenz

Die erste und bevorzugte konservative Therapie bei Belastungsinkontinenz ist immer noch das Beckenbodentraining. Das liegt daran, dass einer Belastungsinkontinenz vielfach eine muskuläre Schwächung des Beckenbodens zugrunde liegt. Je stärker jedoch der Muskel ist, desto besser unterstützt er den Blasenschließmuskel in seiner Funktion. Ein gezieltes Training des Beckenbodens im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung reduziert entsprechend die Inkontinenz oft erheblich. Ziel ist das Vermitteln konkreter Übungen, die die Hebefunktion des Beckenbodens stärken. Das weitere Üben zu Hause ist in jedem Fall sinnvoll.

Studien belegen: Beckenbodentraining hilft

Studien belegen, dass sich schon nach einer Woche intensiven Beckenbodentrainings Inkontinenzen merklich verbessern. Nach 3 Monaten spüren Teilnehmer sogar eine 80%ige Verminderung der Blasenschwäche. Das heisst, dass ein gezieltes Beckenbodentraining in jedem Alter sinnvoll ist. Denn mithilfe von gymnastischen Übungen werden der Schließmuskel der Blase und die Muskulatur des Beckenbodens gleichermaßen gekräftigt. Allerdings sollten Sie die Übungen über einen längeren Zeitraum absolvieren, um einen zufriedenstellenden Therapieerfolg zu erzielen. Aus diesem Grund sind Beckenbodenübungen beispielsweise im Liegen sehr effektiv, wenn sie mehrmals am Tag und kurz durchgeführt werden.

Scheidengewichte zur Unterstützung des Trainings

Scheidengewichte und Beckenbodentrainer werden in der Medizin auch gerne als Feminakonen bezeichnet. Hierbei handelt es sich um kleine Gewichte, die in die Scheide eingeführt werden. Dadurch wird der Beckenboden langfristig gestärkt, was die Belastungsinkontinenz mindern soll. Denn die Frau muss aktiv ihre Muskeln anspannen, um die Gewichte zu halten. Neuerdings gibt es auch vibrierende Beckenbodentrainer, die die Effekte verstärken sollen, da sie die innenliegende Muskulatur intensiv beansprucht.

Elektrostimulation beim Beckenbodentraining

Die Elektrostimulation ist eine weitere Methode, um die Beckenbodenmuskulatur zu stimulieren. Bei dieser Therapie werden Elektroden in die Scheide eingeführt. Während die Muskulatur beim Beckenbodentraining aktiv angespannt wird, erfolgt die Anspannung bei der Elektrostimulation durch elektrische Impulse. Dadurch kräftigt diese Therapie nicht nur die Muskulatur des Beckenbodens, sie verbessert auch die Kontraktionsfähigkeit des Blasenschließmuskels.

Biofeedbacktraining bei Belastungsinkontinenz

Das Biofeedbacktraining ist eine weitere Methode, die ebenfalls eine aktive Mitarbeit des Patienten voraussetzt. Im Prinzip ist diese Trainingsmethode eine Mischung aus Beckenbodentraining und Elektrostimulation, um einen bestmöglichen Erfolg zu erzielen. Um den Effekt des Beckenbodentrainings zu verstärken, wird die Therapie mit einem Messgerät durchgeführt, dessen Sonde in die Scheide eingeführt wird. Sobald die Beckenbodenmuskeln aktiviert werden, bestätigt das Gerät die Intensität der Kontraktion. Somit können Sie als Patient Ihren Trainingserfolg präzise protokollieren.

Belastungsinkontinenz kann in jedem Lebensalter vorkommen, steigt jedoch mit den Lebensjahren. Sie lässt sich vielfach sehr gut behandeln und, je nach Ausgangsausprägung, erheblich verringern oder sogar vollständig heilen.

Unterspritzung der Harnröhre

Beim Unterspritzen wird eine Hydrokolloidlösung auf ringförmige Weise direkt in die Schleimhaut gespritzt. Sie wird daraufhin wesentlich dicker, was zu einer gewollten Verengung der Harnöhre führt. Folgerichtig kommt es zu einer besseren Abdichtung der Harnröhre. Entsprechend resultiert daraus ein deutlich geringerer ungewollter Harnverlust. Darüber hinaus gilt die Methode als nahezu risiko- und nebenwirkungsfrei und führt meist zu sehr guten Ergebnissen.

Medikamentöse Therapie bei Belastungsinkontinenz

In manchen Fällen kann eine medikamentöse Therapie hilfreich sein. Hier steht der Wirkstoff Duloxetin zur Verfügung, der meist in Kombination mit einem Beckenbodentraining verordnet wird. Der Wirkstoff nimmt Einfluss auf die muskuläre Tätigkeit des Schließmuskels der Blase während der Phase der Blasenfüllung. Sollten die Ursachen der Belastungsinkontinenz hormonell bedingt sein, können Östrogene verschrieben werden. Das liegt daran, dass sie für eine gute Durchblutung und hohe Elastizität von Harnblase und Harnröhre sorgen.

Operative Therapie

Operationen erfolgen, wenn konservative Therapien wenig Erfolge erzielen bzw. kaum Besserung der Belastungsinkontinenz verschaffen. Wobei die häufigste operativen Therapie das Legen von Vaginalbändern ist. Genauer gesagt, operiert der Arzt in einem minimal-invasiven Eingriff und legt die Vaginalbänder unter die Harnröhre der Frau. Somit sollen die Bänder die Harnröhre von innen stützen. Die Erfolgsaussichten sind sehr hoch und entsprechend vielversprechend. Übrigens gibt es andere operative Methoden, wie z.B. Unterspritzung, künstlicher Schließmuskel und Beckenboden-Wiederherstellung. Jedoch werden diese operative Therapien eher selten angewendet.

Risiken und Risikominimierung

Aus medizinischer Sicht gibt es zunächst zwei Risikofaktoren, die nicht zu beeinflussen sind: Alter und Geschlecht. Je höher das Alter, desto größer das Risiko für eine Belastungsinkontinenz, vor allem bei Frauen. Beeinflussbare Risiken sind Lebensstil und körperliche Belastungen. Lebensstil meint vor allem hohes Übergewicht im Bauchraum. Körperliche Belastungen sind Tätigkeiten, die mit dem Heben schwerer Gegenstände verbunden sind. Jedenfalls lässt sich beides eingrenzen durch ein gesundes Gewicht und angepasste Hebetechniken.

Vorbeugende Tipps und Tricks für den Alltag

Völlig verhindern lässt sich eine Belastungsinkontinenz nicht. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten der Vorbeugung, die sich gut in den Alltag integrieren lassen.

  • Regelmäßigkeit bei der Blasenentleerung (ausreichende Toilettenbesuche)
  • Vermeidung von hohem Übergewicht (Druckentlastung der Blase)
  • Erhöhung der Trinkmenge (Entlastung der Blase, Vermeidung von Infektionen)
  • Erlernen von Entspannungstechniken (beispielsweise Autogenes Training)

Belastungsinkontinenz bei Frauen

Bei Frauen kommt die Belastungsinkontinenz wesentlich häufiger vor als bei Männern. Das liegt daran, dass ihr Becken anatomisch breiter angelegt ist. Gleichzeitig ist die Muskulatur des Beckenbodens schwächer ausgeprägt. Zusätzlich kommt meist eine Senkung der im kleinen Becken befindlichen Organe vor. Das passiert wenn Frauen mehrere Entbindungen durchleben. Dahingegen neigen die Haltebänder und auch der Beckenboden zu einer Überdehnung. Auch hormonelle Veränderungen, die in den Wechseljahren stattfinden, nehmen hierzu Einfluss auf eine mögliche Belastungsinkontinenz.

Belastungsinkontinenz bei Männern

Männer sind deutlich seltener von der Erkrankung betroffen als Frauen. Da das Krankheitsbild sich durch eine Beeinträchtigung des äußeren Schließmuskels der Blase bemerkbar macht, sehen die Ursachen bei Männern ganz anders aus. Folglich beeinflussen die auslösenden Ursachen maßgeblich die Heilungschancen. Gründe sind vor allem eine Tumorerkrankung, eine Prostatavergrößerung oder auch eine Infektion des Harnweges. Bei einer zugrunde liegenden Infektionserkrankung ist die Inkontinenz meist reversibel.

Ursachen von Belastungsinkontinenz

Statistisch gesehen leiden rund 40 Prozent der Frauen an einer Belastungsinkontinenz. Dabei ist die häufigste Ursache eine Schwächung des Blasenschließmuskels, weshalb der Urin unkontrolliert abgeht. Aus diesem Grund gibt es gleich mehrere Ursachen für einen geschwächten Schließmuskel. Zu den häufigsten Ursachen zählen mehrere Schwangerschaften und häufige Blasenentzündungen. Zudem können weitere Ursachen zu einer plötzlichen Belastungsinkontinenz führen.

Ursache Belastungsinkontinenz bei Frauen

Ursache Belastungsinkontinenz bei Männern

Bei Männern äußert sich die Erkrankung durch eine Schädigung des äußeren Blasenschließmuskels. Diese wird ebenso durch verschiedene Ursachen ausgelöst. Hingegen kommen schwere körperliche Belastungen bei Männern als Ursache eher nicht infrage.

Ursache Belastungsinkontinenz Männer Überblick

Diagnostik einer Belastungsinkontinenz

Zunächst informiert sich der Arzt über die Beschwerden und die allgemeine Krankengeschichte. Ebenso wird er Angaben über Häufigkeit des Wasserlassens, Urinmenge und eventuelle Veränderungen des Harnstrahls erfragen. Dadurch erhält der Arzt einen Überblick über das Ausmaß der Erkrankung. Darüberhinaus stellt der Arzt weitere Fragen bezüglich Situationen, in denen der unfreiwillige Harnverlust stattfindet. Auch eine körperliche Untersuchung sowie eine Untersuchung des Urins sind Bestandteil einer ausführlichen Diagnostik. Je nach Ergebnis können weitere fachärztliche Untersuchungen relevant sein. Dementsprechend wird Sie der Arzt über weitere Untersuchungen beispielsweise beim Urologen, Gynäkologen oder Neurologen informieren.

Untersuchungen im Überblick

  • Begutachtung der Genital- und Analregion
  • digitale rektale Untersuchung
  • Ultraschalluntersuchung des Harntraktes (Sonographie)
  • Untersuchung des Blutes & des Urins
  • Erfassung der Flüssigkeitsbilanz (Miktionsprotokoll)
  • Computertomographie
  • Windeltest
  • Zystoskopie (Blasenspiegelung)

Fazit Belastungsinkontinenz

Inkontinenz gehört zu den häufigsten Erkrankungen, von denen Menschen in zunehmendem Lebensalter betroffen sind. Die Ursachen sind so vielfältig, wie der Grad an Ausprägung, mit dem die Betroffenen jeweils konfrontiert sind. Aber die Medizin kennt vielfältige Möglichkeiten der Behandlung. Diese reichen von klassischen Übungen bis hin zu operativen Verfahren. Schließlich richtet sich die Therapie nach dem Schweregrad der Belastungsinkontinenz. In jedem Fall ermöglicht die Medizin für die meisten Personen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.