Belastungsinkontinenz

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Sobald wir beim Niesen, Husten, Heben und Tragen Urin verlieren, spricht der Mediziner von einer Belastungsinkontinenz. Hierbei handelt es sich um eine Form der Harninkontinenz, die auf eine Schwäche des Blasenschließmuskels zurückzuführen ist.

Belastungsinkontinenz – Was ist das?

Bei einer Belastungsinkontinenz, früher Stressinkontinenz, kommt es sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu einem unwillkürlichen Harnabgang. Dies geschieht vor allem dann, wenn Betroffene husten, niesen oder einen schweren Gegenstand heben. Da der Druck auf die Blase plötzlich erhöht wird, können sie den Urin nicht mehr halten.
Bei der Belastungsinkontinenz geht Urin bei Belastung des Beckenbodens ab. Dies geschieht vor allem dann, wenn Betroffene husten, niesen oder einen schweren Gegenstand heben. Da der Druck auf die Blase plötzlich erhöht wird, können sie den Urin nicht mehr halten. In schweren Fällen verlieren Betroffene Harn bei geringster Belastung z.B. im Gehen.

Therapie und Behandlungsmöglichkeiten

Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, um eine Belastungsinkontinenz zu behandeln. Je nach Ursache werden verschiedene konservative, medikamentöse oder operative Therapiemöglichkeiten angeboten. Betroffene sollten möglichst zeitig einen Arzt aufsuchen, um die Ursache der Erkrankung abklären zu lassen. Wird die Harninkontinenz rechtzeitig behandelt, können die Symptome rasch gelindert werden.
Mit dem Ziel, die Blasen- und Beckenbodenmuskulatur zu kräftigen, kommen viele konservative Behandlungsmethoden zum Einsatz, die mitunter mit Medikamenten kombiniert werden. Zu den besten und beliebtesten Therapien gehört das Beckenbodentraining. Begleitend zur Therapie sollten immer Inkontinenzeinlagen getragen werden.

Inkontinenzartikel tragen

Neben einer Therapie, ob konservativ, medikamentös oder operativ, sollten Sie Inkontinenzartikel tragen. Heutzutage sind Inkontinenzeinlagen äußerst leistungsfähig, sehr saugstark bei dünnem Material, geruchsabsorbierend und recht unauffällig. Alleine aus hygienischen Gründen und auch für den Schutz der Haut sollten Sie die Vorteile von modernen Inkontinenzartikeln nutzen. Für leichte Belastungsinkontinenz, wenn geringe Mengen an Harn abgehen, eignen sich Einlagen wie MoliMed Premium Midi. Ist die Belastungsinkontinenz mittelstark ausgeprägt eignet sich MoliMed Premium Maxi, aber auch die praktische Windelhose MoliCare Premium Mobile 6 Tropfen. Bei starker Inkontinenz empfiehlt sich MoliCare Premium Mobile 8 Tropfen, eine sehr saugstarke Windelhose.

Beckenbodentraining

Die erste und bevorzugte konservative Therapie bei Belastungsinkontinenz ist immer noch das Beckenbodentraining. Studien belegen, dass sich schon nach 1 Woche intensiven Beckenbodentrainings Inkontinenzen merklich verbessern. Nach 3 Monaten spüren Teilnehmer sogar eine 80%ige Verminderung der Blasenschwäche. Ein gezieltes Beckenbodentraining ist in jedem Alter sinnvoll. Mithilfe von gymnastischen Übungen werden der Schließmuskel der Blase und die Muskulatur des Beckenbodens gleichermaßen gekräftigt. Die Übungen müssen allerdings über einen längeren Zeitraum absolviert werden, um einen zufriedenstellenden Therapieerfolg zu erzielen.

Beckenbodenübungen im Liegen sind sehr effektiv, wenn sie mehrmals am Tag und kurz durchgeführt werden.

Scheidengewichte

Scheidengewichte wie Lubexxx Beboplus werden in der Medizin auch gerne als Feminakonen bezeichnet. Hierbei handelt es sich um kleine Gewichte, die in die Scheide eingeführt werden. Mithilfe von aktiven Muskelkontraktionen werden die Gewichte gehalten, sodass der Beckenboden langfristig gestärkt wird.

Elektrostimulation

Die Elektrostimulation ist eine weitere Methode, um die Beckenbodenmuskulatur zu stimulieren. Bei dieser Therapie werden Elektroden in die Scheide eingeführt. Während die Muskulatur beim Beckenbodentraining aktiv angespannt wird, erfolgt die Anspannung bei der Elektrostimulation durch elektrische Impulse. Diese Therapie kräftigt nicht nur die Muskulatur des Beckenbodens – sie verbessert auch die Kontraktionsfähigkeit des Blasenschließmuskels.

Biofeedbacktraining

Das Biofeedbacktraining ist eine weitere Methode, die eine aktive Mitarbeit des Patienten voraussetzt. Im Prinzip ist diese Trainingsmethode eine Mischung aus Beckenbodentraining und Elektrostimulation, um einen bestmöglichen Erfolg zu erzielen. Um den Effekt des Beckenbodentrainings zu verstärken, wird die Therapie mit einem Messgerät durchgeführt, dessen Sonde in die Scheide eingeführt wird. Sobald die Beckenbodenmuskeln aktiviert werden, bestätigt das Gerät die Intensität der Kontraktion, sodass Patienten ihren Trainingserfolg protokollieren können.

Medikamentöse Therapie

Unter den medikamentösen Therapiemöglichkeiten sind Östrogen-Präparate am verbreitesten. Das Östrogen wirkt dabei straffend auf die Beckenboden-Muskulatur. Diese Medikamente werden oft in Begleitung eines Beckenbodentrainings verordnet. Speziell für mittlere bis starke Inkontinenz wurde ein neues Medikament mit Duloxetin entwickelt. Es wirkt im Gehirn, kann aber viele Nebenwirkungen verursachen.

Operative Therapie

Operationen erfolgen, wenn konservative Therapien wenig Erfolge erzielen bzw. kaum Besserung verschaffen. Bei einem minimalinvasiven Eingriff werden Vaginalbänder unter die Harnröhre gelegt, um sie zu stützen. Die Erfolgsaussichten sind sehr hoch und vielversprechend.
Andere operative, aber eher seltene Verfahren, sind Unterspritzung, künstlicher Schließmuskel und Beckenboden-Wiederherstellung.

Schweregrade der Belastungsinkontinenz

Grundsätzlich wird die Belastungsinkontinenz in drei Schweregrade eingeteilt.
1. Grad: Urin geht beim Husten, Niesen, Heben & Tragen verloren
2. Grad: Urinabgang bei abrupten körperlichen Bewegungen
3. Grad: Unfreiwilliger Harnverlust ohne körperliche Belastungen (im Liegen)

Ursachen von Belastungsinkontinenz

Statistisch gesehen leiden rund 40 Prozent der Frauen an einer Belastungsinkontinenz. Häufigste Ursache ist eine Schwächung des Blasenschließmuskels, weshalb der Urin unkontrolliert abgeht. Häufigste Gründe für einen schwachen Blasenschließmuskel sind:

  • Mehrere Schwangerschaften bzw. Entbindungen
  • Häufige Blasenentzündungen
  • Krebserkrankungen
  • Schwacher Beckenboden z.B. altersbedingt

Eine Stressinkontinenz tritt nicht nur nach oben gennanten häufigen Gründen auf. Auch können folgende Ursachen zu einer plötzlichen Belastungsinkontinenz führen:

  • Operationen
  • Organsenkungen z.B. Blasensenkung oder Gebärmuttersenkung
  • Wechseljahre (Hormonumstellung)
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • körperlich schwere Arbeit

Ursache Belastungsinkontinenz bei Männern

Bei Männern äußert die Erkrankung sich durch eine Schädigung des äußeren Blasenschließmuskels, die durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Schwere körperliche Belastungen kommen bei Männern als Ursache eher nicht infrage.

Ursache Belastungsinkontinenz bei Männern:

  • eine Krebserkrankung
  • eine Vergrößerung der Prostata
  • Harnwegsinfektionen

Diagnostik einer Belastungsinkontinenz

Sobald die ersten Symptome einer Belastungsinkontinenz sich zeigen, sollten Betroffene unverzüglich einen Arzt aufsuchen, um die genaue Ursache der Beschwerden abklären zu lassen. Wird eine Stressinkontinenz nicht rechtzeitig behandelt, können die Symptome sich verschlimmern. Eine ausführliche Anamnese (Krankengeschichte) ist deshalb zwingend notwendig, um die Erkrankung behandeln zu können.

Zu den häufigsten Untersuchungen gehören:

  • Begutachtung der Genital- und Analregion
  • digitale rektale Untersuchung
  • Ultraschalluntersuchung des Harntraktes (Sonographie)
  • Untersuchung des Blutes & des Urins
  • Erfassung der Flüssigkeitsbilanz (Miktionsprotokoll)

Auch können eine Computertomographie, ein Windeltest oder eine Zystoskopie (Blasenspiegelung) sinnvoll sein, um den Schweregrad der Stressinkontinenz zu bestimmen.

Fazit

Inkontinenz kann jeden treffen, jedoch will niemand über diese Krankheit sprechen. Statistisch gesehen geht nur jeder fünfte Betroffene zum Arzt. Es sind vor allem Frauen, die an einer Belastungsinkontinenz leiden. Lachen, Husten, schweres Tragen und Heben können für einen plötzlichen unwillkürlichen Harnabgang verantwortlich sein, weshalb viele Betroffene die Öffentlichkeit meiden.
So unterschiedlich wie sich die Belastungsinkontinenz bei jedem ausprägt, so unterschiedlich sind auch die Ursachen.Um Belastungsinkontinenz zu behandeln gibt es eine Reihe an erprobten Möglichkeiten. Neben konservativen Therapien, sprich Beckenbodentraining, wird Belastungsinkontinenz medikamentös oder auch operativ behandelt. Für jeden Schweregrad gibt es geeignete Therapiemethoden, die den Betroffenen und pflegenden Angehörigen gewisse Erleichterung für den Alltag geben.